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Becker war nach Lesters Rufen sofort in Deckung gegangen. Entsetzt hatte er die riesigen Tentakel aus dem Wasser schießen sehen. Sie hatten sich am Boden entlang geschlängelt und Lester dann von hinten gepackt. Jetzt hing sein Chef in einer äußerst ungünstigen Lage, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Becker trabte los, auf der Suche nach einer neuen Waffe. In dem Schutthaufen fand er auch gleich eine abgebrochene Eisenplatte. Mit dem scharfen Rand würden sich die Tentakel vielleicht durchtrennen lassen. Er rannte auf Lester zu. Dieser schien nicht in der Lage zu sein, sich zu bewegen, deine eigentlich waren seine Arme und Hände frei. Als Becker näher kam, erkannte er Lesters Problem - die Tentakel übten auf die Art Druck auf seine Glieder aus, dass jede noch so kleine Bewegung äußerst schmerzvoll war. Lesters Gesicht war eine einzige Maske aus Schmerz und Verbissenheit. Noch war er nicht gewillt, so leicht aufzugeben. Becker suchte mit den Augen nach dem Tentakel, das um seinen Hals lag, fand es und schnitt es mühelos mit der Eisenplatte durch. Im See hinter ihm jaulte irgendetwas auf. Lester knickte seine Arme trotz der Schmerzen ab und zerrte das Tentakel von seinem Hals. Sofort wurde er ein Stückchen höher gehievt, zwei weitere Tentakel schossen aus dem Wasser und wickelten sich erneut um seinen Hals und diesmal auch noch um seine Handgelenke. Seine Arme wurden grob nach unten gerissen, sein Kopf nach hinten. Lesters lauter Aufschrei ließ Becker nervös werden. Er zielte auf ein anderes Tentakel, als er erschrocken spürte, sie sich eines um seinen Bauch schlang. Er erkannte den abgeschlagenen, blutigen Stumpen, der gerade noch am Boden gelegen hatte. Jetzt wurde Becker selbst nach oben gehievt. Er säbelte das Tentakel ein weiteres Mal durch, das Tentakel um Lesters rechtes Knie ließ los und packte ihn stattdessen am (Gott sei Dank gesunden) Oberarm. Nun ließen die Tentakel um Lesters Handgelenke und seinem Fußknöchel von dem Beamten ab und schlangen sich auch bei Becker um Bauch und Hals. Obwohl Lester seine Arme jetzt wieder benutzen konnte, tat er es nicht. Im Gegenteil - er hing reglos in der Luft, umgeben von dem Gewirr aus Tentakeln.  
 
Becker war nach Lesters Rufen sofort in Deckung gegangen. Entsetzt hatte er die riesigen Tentakel aus dem Wasser schießen sehen. Sie hatten sich am Boden entlang geschlängelt und Lester dann von hinten gepackt. Jetzt hing sein Chef in einer äußerst ungünstigen Lage, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Becker trabte los, auf der Suche nach einer neuen Waffe. In dem Schutthaufen fand er auch gleich eine abgebrochene Eisenplatte. Mit dem scharfen Rand würden sich die Tentakel vielleicht durchtrennen lassen. Er rannte auf Lester zu. Dieser schien nicht in der Lage zu sein, sich zu bewegen, deine eigentlich waren seine Arme und Hände frei. Als Becker näher kam, erkannte er Lesters Problem - die Tentakel übten auf die Art Druck auf seine Glieder aus, dass jede noch so kleine Bewegung äußerst schmerzvoll war. Lesters Gesicht war eine einzige Maske aus Schmerz und Verbissenheit. Noch war er nicht gewillt, so leicht aufzugeben. Becker suchte mit den Augen nach dem Tentakel, das um seinen Hals lag, fand es und schnitt es mühelos mit der Eisenplatte durch. Im See hinter ihm jaulte irgendetwas auf. Lester knickte seine Arme trotz der Schmerzen ab und zerrte das Tentakel von seinem Hals. Sofort wurde er ein Stückchen höher gehievt, zwei weitere Tentakel schossen aus dem Wasser und wickelten sich erneut um seinen Hals und diesmal auch noch um seine Handgelenke. Seine Arme wurden grob nach unten gerissen, sein Kopf nach hinten. Lesters lauter Aufschrei ließ Becker nervös werden. Er zielte auf ein anderes Tentakel, als er erschrocken spürte, sie sich eines um seinen Bauch schlang. Er erkannte den abgeschlagenen, blutigen Stumpen, der gerade noch am Boden gelegen hatte. Jetzt wurde Becker selbst nach oben gehievt. Er säbelte das Tentakel ein weiteres Mal durch, das Tentakel um Lesters rechtes Knie ließ los und packte ihn stattdessen am (Gott sei Dank gesunden) Oberarm. Nun ließen die Tentakel um Lesters Handgelenke und seinem Fußknöchel von dem Beamten ab und schlangen sich auch bei Becker um Bauch und Hals. Obwohl Lester seine Arme jetzt wieder benutzen konnte, tat er es nicht. Im Gegenteil - er hing reglos in der Luft, umgeben von dem Gewirr aus Tentakeln.  
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= Kapitel (1)7 =
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Becker schlug wieder mit der Eisenplatte durch eines der Tentakel, und nun wurde er nur noch von dem um seinen Bauch und der Schulter oben gehalten. Er reckte sich so weit nach vorne, wie er konnte, um Lester zu erreichen. Der Mann rührte sich nicht mehr, der Sauerstoffmangel schien ihm das Bewusstsein geraubt zu haben. Becker flehte darum, dass Lester wirklich nur bewusstlos war, und nicht schlimmer. Seinetwegen war der Beamte noch einmal in den Raum zurückgegangen. Er hätte einfach die Tür aufbrechen und diese unheimliche Halle hinter sich lassen können, aber wegen Becker hatte er es nicht getan. Und wenn ihm nun etwas passierte, war es Beckers Schuld. Er war hier der Soldat und somit der, der für die Sicherheit des Teams zuständig war. Und jetzt musste er dabei zusehen wie sein Chef von einem mönströsen Tintenfisch zerquetscht wurde. Er schrie auf aus Wut und Frust und haute seine Waffe blindlings Richtung Lester. Das Tentakel um dessen Hals glitt in zwei Hälften, und rutschte dann von seinen Schultern. Im selben Moment fing Lester an zu husten und schnappte nach Luft. Becker atmete erleichtert aus. Mit einem Schlag wurde auch ihm die Luft gnadenlos aus dem Leib gepresst. Er würgte, als das Tentakel um seinen Bauch ihn grob zur Seite riss, und ließ die Eisenplatte fallen. Auch Lester wurde herumgewirbelt. Die fünf verbliebenen Tentakel zerrten an ihnen und schleuderten sie herum. Lester donnerte an die Hallendecke, Becker diesmal gegen die Wand. Benommen griff er nach dem rauhen Fels, um sich festzuhalten. Als die Tentakel ihn zurückzogen, löste er einen Teil der Mauer heraus, der bröckelnd zu Boden fiel. Lester hielt sich den Schädel, als er nach unten sauste, und fluchte. Dann wurden die Beiden plötzlich aneinander gedonnert. Es kam so überraschend, mit welcher Zielsicherheit sich das Meerestier bewegte, dass sowohl Becker als auch Lester nicht mehr schnell genug reagierten. Anstatt gefährliche Körperteile, so wie Ellbogen, Knie und Füße einzuziehen, um den Anderen nicht zu verletzen, spannten sie ihre Körper sogar noch zusätzlich an und verursachten so eine äußerst schmerzhafte Kollision. Becker hatte keine Ahnung, womit er Lester getroffen hatte, er spürte nur dessen Ellbogen in der Magengrube und einen der Füße am Knie. Schon wurden sie wieder voneinander weggezogen. Lesters Gebärden nach hatte er von Becker einen Stoß ins Kreuz bekommen. Noch ehe sie wieder einen klaren Gedanken fassen konnten, rasten sie erneut aufeinander zu. Jetzt passten sie Beide mehr auf und zogen Arme und Füße ein. Die Tentakel drehten sie so, dass sie sich nun aus einer anderen Position trafen. Diesmal war es Lesters Schulter, die in Beckers Seite landete, und Beckers Ellbogen, der  Lester unterhalb des Brustbeins erwischte. Lester stöhnte auf. Becker sah keuchend nach unten. Immerhin - die durchtrennten Tentakel blieben am Boden liegen. "Wir müssen die Tentakel irgendwie durchtrennen oder auf andere Weise kaputt machen!", rief Becker. "Na klar, wir beissen sie einfach auseinander!", gab Lester ärgerlich zurück und zerrte an den Tentakeln um seinen Schultern. "An der Wand und Decke sind viele große, scharfkantige Steine dran, die sich ganz leicht rausreissen lassen. Wenn wir das nächste Mal dagegenkrachen, greifen wir danach.", erklärte ihm Becker. "Wenn ich noch einmal irgendwo dagegenkrache, dann brech ich entweder auseinander oder meine Schädeldecke platzt auf!", meinte Lester grantig, sah sich aber immerhin nach den Wänden um. Die Tentakel zogen sie jetzt wieder von einander weg, doch sie ließen nur Lester gegen die Wand krachen. Jetzt war nämlich Becker damit an der Reihe, überdehnt zu werden. Er verzog das Gesicht, als die Schmerzen durch seinen Körper schossen. Trotzdem schaffte er es, zu Lester zu blicken. Dieser krallte seine Hand in die Wand und riss ein riesiges Stück heraus, als die Tentakel sie wieder zusammenstoßen ließen. "Herrgott nochmal! Jetzt reichts dann langsam!", presste Lester zwischen den Zähnen hervor, nachdem er Beckers Ellbogen diesmal an die Schläfe bekommen hatte. Becker war zu nichts anderem mehr in der Lage als zu fiepen - Lesters Knie hatte ihn genau an seiner empfindlichsten Stelle getroffen. Sein Chef wurde rot im Gesicht, als ihm das bewusst wurde. "Oh. Hoppla. Das tut mir Leid, Becker." Der Soldat fiepte nur ein weiteres Mal und schloss gequält die Augen.
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Lester sah, das Becker durch den Zusammenstoß erst einmal außer Gefecht gesetzt war. Obwohl sein Schädel dröhnte und ihm schwindelig war, reckte er den Hals, um nach einer geeigneten Stelle zu suchen, gegen die er seinen Stein dreschen konnte. Das Tentakel um seinen Bauch saß zu fest, also schlug er gegen das an seiner linken Schulter. Die Spitze des Steins bohrte sich in das zähe Fleisch der Krake, und Lester rüttelte kräftig daran, bis es durchtrennt war und das Tentakel zu Boden fiel. Er nahm den Stein in die linke Hand und tat das selbe an seiner rechten Schulter. Gerade wollte er sich dem Tentakel um seinen Bauch zuwenden, das Letzte, das ihn noch hielt, als das Tentakel plötzlich weit mit ihm ausholte - und ihn dann auf Becker schleuderte. Lester merkte erst, was vor sich ging, als er entdeckte dass ihn das Tentakel nicht länger umklammert hielt. Er flog frei durch die Luft, mit nichts was ihn vor einem unsanften Aufprall auf den Boden bewahren konnte - außer Becker selbst. Er prallte mit solcher Wucht gegen den Soldaten, dass er den Tentakeln entglitt und zusammen mit Lester nach unten stürzte. Sie waren weit genug oben, um sich ernsthaft zu verletzen, an die acht Meter. Die Tentakel machten Anstalten, sie aufzufangen, doch sowohl Lester als auch Becker wichen im Fall den schleimigen Fesseln aus. Lester holte mit dem Stein in seiner Hand aus, wirbelte um sich herum und mantschte den Stein mitsamt seiner Hand in ein herannahendes Tentakel. Becker fing sich an einem anderen Tentakel ab und rutschte daran nach unten. Es versuchte, ihn an den Knöcheln zu packen, doch Becker warf sich mit seinem ganzen Gewicht gegen das Vorderteil des Tentakel. Es gab unter seinem Gewicht nach und krachte gegen die Felswand. Becker schlug heftig dagegen und schaffte es, das Tentakel auseinander zu reissen, was ihm fast den Magen umdrehte, als er den schleimigen, blutigen Stumpen in den Händen hielt. Lester fiel indessen weiterhin nach unten, griff mit der Hand nach dem letzten verbliebenen Tentakel und brachte die Füße an das Armglied der Wasserkreatur. Fast wie auf einem Skateboard surfte er daran nach unten, bis er kurz vor dem Boden das Gewicht auf die Beine verlagerte und dann das Tentakel mit den Füßen auf den Boden rammte. Es wurde durch sein Gewicht durchgetrennt, und besudelte Lesters Schuhe und Hose mit dem hellen, schleimigen Krakenblut. Der Schleim ließ Lester ausrutschen und der Länge nach hinfallen. Becker plumpste von der Mauer aus zu Boden, wo er sich sofort zusammenkrümmte und wimmernd hin- und herrollte. Lester rappelte sich wieder auf und sah verärgert auf seine Schuhe und den Anzug. "Klasse, ich darf gar nicht daran denken was die Reinigung kosten wird!", schimpfte er, zog die Schuhe aus und wischte den Schleim an den nächstbesten Felsen. Becker kam keuchend auf die Beine. "Nochmals Entschuldigung für dieses, ähem, Missgeschick.", meinte Lester, als er den Soldaten erblickte. Becker winkte ab und stakste o-beinig auf Lester zu. Lester zog die Schuhe wieder an und sah sich um. "Würde sagen wir sehen endlich zu dass wir hier wegkommen.", schlug er vor, und der Soldat nickte.
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Zwei der Tentakelstummel wickelten sich um ihre Knöchel und rissen sie hoch. Mit einem lauten "UAH!" wurden die Männer kopfüber in Richtung See gehievt. "Was wird denn das jetzt wieder?", zeterte Lester los, während Becker versuchte sich frei zu machen. Lester wurde neben ihm fallen gelassen und fiel wie ein nasser Sack ins Wasser. Sekunden später tauchte ein hässliches, mit spitzen Zähnen versehenes Maul aus den Wellen auf. Rote, böse Augen saßen tief in dem fleischigen, schleimigen Gesicht der Krake. Becker stieß einen erschrockenen Schrei aus. Lesters Kopf tauchte aus dem Wasser. "Becker! Da ist irgendso ein Ding im Wasser! Direkt unter uns!" Veflucht, er hatte das Maul des Kraken noch gar nicht entdeckt! "Lester, es ist gleich links von Ihnen! Sehn' Sie zu, dass Sie da wegkommen!" Lester sah über die Schulter. Zu spät. Eines der Tentakel, viel dicker als die dünnen Spitzen, die sie gefangen hatten, erhob sich aus dem Wasser und raste auf ihn zu. Lester tauchte ab, das Tentakel platschte aufs Wasser und riss ihn mit sich in die Tiefe. Becker verlor ihn sofort aus den Augen. Und da wurde er selbst plötzlich losgelassen.
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Lester versuchte, unter dem Tentakel weg zu kommen, doch es war viel zu schwer um ihm das zu ermöglichen. Er schlug hart am Grund des Sees auf. Der Druck auf seinen Ohren brachte ihn fast um den Verstand, als er heftig mit den Beinen strampelte um frei zu kommen. Um ihn herum war alles finster, und seine Lungen brannten. Seine Augenlider wurden schwer, doch er kämpfte dagegen an und schob mit den Armen das Tentakel von sich runter. Es funktionierte, und er begann hastig, Schwimmzüge zu machen. Die Wasseroberfläche kam näher. Endlich Luft! Seine Finger durchdrangen die Wasseroberfläche und fühlten die im Verhältnis warme Luft außerhalb. Er machte sich dafür bereit, endlich wieder einatmen zu können. Da packte ihn das Tentakel erneut am Fuß und zog ihn mit einem Ruck nach unten. Lester sah die rettende Wasseroberfläche ungläubig davonschießen. Er stieß einen verzweifelten, wütenden Schrei aus. Der letzte Rest Sauerstoff entwich seinen Lungen. Jetzt konnte er nichts mehr dagegen tun, dass sich seine Augen langsam schlossen. Er fühlte sich plötzlich unendlich leicht im Wasser. Und ehe Lester sich versah, verschmolz er mit der tiefen Dunkelheit um ihn herum.
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Becker tauchte, so schnell er konnte. In dem trüben Wasser war es unmöglich, etwas zu erkennen. Er floh vor dem anderen Tentakel des Kraken und hatte keine Zeit, zu lange am selben Fleck zu bleiben. Er kam kurz rauf, um Luft zu holen, und ging dann wieder auf Tauchstation. Da sah er auf einmal Lesters blasses Gesicht ein paar Meter weiter. Seine Haare wiegten sich in den Bewegungen des Wassers. Seine Arme trieben ein paar Meter über ihm, an seinem Knöchel befand sich ein Tentakel. Der Anblick ließ Becker erschaudern. Er beeilte sich, um seinen Boss zu ereichen. Bei ihm angekommen, packte er ihn unter den Achseln und zerrte ihn aus der Umklammerung des Tentakels. Dann gab er ordentlich Gas und schwamm zum Ufer zurück, Lester hinter sich herziehend. Das Tentakel verfolgte sie unbarmherzig. Endlich erreichten sie den Schlick am Ufer, und Becker hievte Lester an Land. Er zog ihn so schnell er konnte aus der Reichweite des Sees. Sie waren beide über und über mit dem Krakenschleim besudelt, doch damit würden sie leben müssen. Leben müssen... Becker beugte sich über Lester und horchte auf ein Atemgeräusch. Als es ausblieb,. fluchte er leise. "Kommen Sie, Sir!", schnauzte er Lester an, doch der Mann regte sich nicht. Er fühlte Lesters Puls. Da war nichts... "Ich bitte Sie, Sir, ersparen Sie uns Beiden eine Reanimation! Das wollen Sie wahrscheinlich noch weniger als ich!" Er knöpfte Lesters Jacket auf und horchte an seiner Brust. Kein Herz, das munter vor sich hin pochte... "Verdammt verdammt verdammt!", brummte Becker und zog Lester das Jacket komplett aus. Nur im Hemd würde sein Chef bestimmt schnell anfangen zu frieren. Falls er überhaupt jemals wieder frieren konnte... Er kniete sich hin, zog Lester auf seinen Schoß und dann so weit nach oben, dass sein Kopf auf Beckers Schulter lag. Er legte die Arme um Lesters Oberkörper, direkt unterhalb der Achseln, und drückte sie dann einmal fest zusammen. Doch Becker zitterte zu sehr, um den Griff ordentlich auszuführen. Sein Chef kippte nur nach vorne, so dass er ihn erneut an seine Schulter ziehen musste. Becker wurde immer panischer. Wenn Lester nun schon seit über 10 Minuten tot war, wuchs die Gefahr auf bleibende Schäden. Falls es ihm überhaupt gelingen würde ihn zu reanimieren. Er schüttelte den Gedanken ab. Bis auf die Hände und das Gesicht war der Körper seines Bosses noch ziemlich warm, wenn er die Wassertemperatur miteinbezog musste Lester eben erst aufgehört haben zu atmen. Erneut legte er die Arme um Lester, atmete kurz tief durch und drückte dann erneut so stark er konnte zu. Lester wurde fest gegen Becker gepresst, und der Druck von vorne und hinten beförderte einen Schwall Wasser aus Lesters Lunge nach draußen. Ein Spotzen, dann ein Luftholen, dann ein heftiges Husten waren die Folge. Becker ließ Lester los, der nach vorne auf die Knie fiel und das Wasser aus seiner Lunge hustete und würgte. Becker hockte sich neben ihn und legte ihm die Hand auf die Schulter. Er spürte, wie sehr Lester zitterte. Und konnte gleichzeititg sein eigenes Herz bis zum Hals pochen hören.
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Abby sah ihre jüngere Ausgabe fröhlich über die Wiese hüpfen. Sie steuerte ebenfalls auf den Sandkasten zu, an dem sie von den anderen sofort freundlich empfangen wurde. Danny, Ryan und Lester unterhielten sich hinter ihnen, Cutter und Stephen saßen immer noch auf ihrer Bank und redeten ebenfalls über irgendetwas. Und so kam es, dass keiner von ihnen das hässliche, fledermausähnliche Wesen bemerkt hatte, das sich direkt hinter Stephen in einer Baumkrone verbarg. Auch Abby war es erst aufgefallen, als es sich bewegt hatte. Und nun sah es auch Sarah. Sie sogen Beide erschrocken die Luft ein. "Was ist los?", wollte Danny wissen und gesellte sich zu ihnen. "Ich... Wir... Habt ihr von diesem Tier gehört, das vor ein paar Tagen aus der, äh, Wildtieranlage geflohen ist?", begann Sarah unsicher. Danny hob eine Augenbraue und sah zuerst Letser, dann Ryan an. "Äh, nein? Was soll das für ein Vieh sein?", wollte er wissen. "Hmm, also es sieht fast so aus wie ein Gremlin.", antwortete Sarah. "Ein WAS?!", riefen die drei Männer gleichzeitig und lachten los über den seltsamen Namen. "Sarah, den Film gab es zu dieser Zeit noch gar nicht!", knurrte Abby leise. "Oh.", machte Sarah und zog sich errötend zurück, damit Abby das Reden übernehmen konnte. "Es handelt sich um eine... asiatische Chamäleon-Riesenfledermaus. Flügellose, gefährliche Raubtiere, mit ledriger Haut und spitzen Zähnen, die sich obendrein noch tarnen können." "Was denn, sowas gibts?", grinste Lester und schaute sie mit dem amüsiert-belustigten Blick an, der in zwanzig Jahren sein Markenzeichen sein würde. "Oh ja, und wenn ihr's genau wissen wollt, da oben sitzt es!", erklärte Abby ihnen und deutete auf den Baum hinter Cutter und Stephen. Das Zukunftstarntier war verschwunden. Die drei Männer folgten Abbys Finger und prusteten dann los. "Ich schätze, die Beiden verarschen uns.", gluckste Ryan und zwinkerte Abby zu. "Tun wir nicht! Das hier ist verdammt ernst!", schimpfte Sarah und wandte sich an Abby. Diese hob nur die Schultern. "Wir würden es an ihrer Stelle auch nicht glauben." "Alter!", schrie da plötzlich jemand auf. Sie wandten sich um. Stephen und Cutter standen kerzengerade vor der Bank und taxierten die Büsche dahinter. Stephens Blick wanderte den Baumstamm hinauf. "Mich hat was gebissen, das schwöre ich!", versicherte er Cutter und rieb sich über eine gerötete Stelle am Nacken. "Ich weiß, ich hab's gesehn.", gab Cutter zurück und spähte unter die Bank. Etwas Braunes schoss darunter heraus und griff den Schotten fauchend an. Cutter schrie auf, stolperte über seine eigenen Beine und flog rückwärts ins Gras. Das Zukunftstarntier segelte an ihm vorbei und rauschte nun direkt auf Abby und Sarah zu. Ihre Kinderausgaben kauerten sich im Sandkasten ängstlich an die anderen zukünftigen ARC-Mitarbeiter. "Weg da!", schrie Danny und zog Sarah aus dem Weg. Lester stieß Abby zur Seite, und die Tierpflegerin landete unsanft im Gras. "Alter, das Vieh gibts ja wirklich!", keuchte Ryan und sah der Kreatur nach, die in einen anderen nahegelegenen Baum verschwand. Erst jetzt fiel Sarah auf, wie weit abseits sich ihr Standort und der Sandkasten befanden. Das näheste waren die Imbissbuden, vor denen einige Leute standen, die allerdings außer Hörweite waren. Und in diese Richtung war auch noch das Zukunftstarntier verschwunden. "Vorsicht, es kommt zurück!", schrie Ryan und deutete auf ein heransausendes, blattgrünes Wesen. "Bringt die Kinder hier weg!", schrie Danny, und er, Lester und die Frauen rannten zum Sandkasten. Ryan spurtete zu Cutter und Stephen, um die beiden zu warnen. Danny packte die kleine Abby und Jenny, nahm sie unter die Arme und rannte los. Ihm folgte Lester, der sich Beckers Frühausgabe schnappte, Sarah nahm Connor und Abby die kleine Sarah. Die Kinder fingen an panisch zu schreien, als sie das gruselige Wesen aus der Zukunft auf sich zukommen sahen. "Du bist Bulle, hast du keine Knarre oder sowas?", rief Lester Danny zu, während sie über den Rasen hetzten. "Im Wagen!", antwortete Danny und schlug einen Haken nach links. Cutter, Stephen und Ryan kamen von rechts zu ihnen dazu. "Was zur Hölle ist das?", wollten die Jugendlichen wissen. "Eine asiatische Chamäleon-Riesenfledermaus.", rief Abby ihm zu. Danny steuerte die Gruppe in Richtung Straße, allerdings lag nur ein altes, verlassenes Fabrikgelände vor ihnen. Da Abby es nicht kannte, vermutete sie dass es wohl schon lange abgerissen worden war. Wenn sie nicht alles täuschte, befand sich an der Stelle nun eine Supermarktkette oder soetwas. Danny steuerte auf die große Lagerhalle der Fabrik zu. Ryan überholte ihn, kramte etwas aus der Hosentasche und fingerte an dem Türschloß herum. Nach einem kurzen Moment klickte es und die Tür schwang auf. Ryan stellte sich zwischen Tür und Rahmen und hielt den herannahenden Leuten den Eingang offen. Danny warf Ryan einen tadelnden Blick zu, als er an ihm vorbeijoggte, dann trat Lester ein, gefolgt von Abby und Sarah, danach kam Stephen und Cutter bildete das Schlusslicht. Ryan ließ die Tür ins Schloss fallen, was sie augenblicklich in schummriges Licht hüllte. Die Kinder fingen an zu wimmern. Es zischte, und irgendwo flackerte eine kleine Flamme auf. Es war Danny, der das Feuerzeug an Abby weiterreichte und dann eine Taschenlampe vom Gürtel nahm. Der Rest der Erwachsenen und Beinahe-Erwachsenen suchte nach einem Lichtschalter. Cutter fand ihn schließlich neben einem Seitenausgang und drückte den Finger darauf. Ein paar nackte Glühbirnen erwachten zum Leben und erfüllten die große Halle mit blassem, gelben Licht. Danny steckte die Taschenlampe an den Gürtel und wartete, bis Abby ihm sein Feuerzeug gegeben hatte. Dann wandte er sich direkt an sie und Sarah. "Okay, was wird hier gespielt?" Sein Blick wanderte zwischen ihnen hin- und her, dann glitt er weiter über Stephen und Cutter, die ein wenig verloren im Raum herumstanden.
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Ryan und Lester versuchten, die aufgebrachten Kinder zu beruhigen, die sich ängstlich und weinend aneinander pressten. Die kleine Abby und der kleine Connor waren die jüngsten, doch auch die anderen drei waren noch nicht einmal zehn Jahre alt. Alles, was sie verstanden, war dass ein Horrorwesen sie gerade verfolgt hatte und sie nun mit ein paar jungen Leuten, die sie selbst alle nicht kannten, in einem großen, gruseligen Raum waren. Cutter und Stephen sahen selbst drein, als würden sie gleich ohnmächtig werden, Lester und Ryan hatten alle Hände voll damit zu tun ruhig zu bleiben um die Kinder nicht noch mehr zu verängstigen und Danny war mit seiner Rolle als Polizist und somit als einziger Aufpasser völlig überfordert. Er fuhr sich durch die kurzen Haare und machte ein nervöses Gesicht. "Das Ding hat's doch nicht etwa auf uns abgesehen, oder?" "Schätze doch. Wie normale Fledermäuse jagt auch dieses Tier seine Beute so lange, bis sie oder das Tier selbst tot sind.", erklärte ihm Abby hastig. Es wunderte sie schon gar nicht mehr, wie schnell die Lügen über ihre Lippen kamen - seit drei Jahren war sie daran gewöhnt sich irgendwelche Geschichten auszudenken. Sie konnte ja auch jetzt kaum erzählen, dass ein verrückter Typ aus der Zukunft das Tier gezielt auf ihn, Lester, unschuldige Kinder und Jugendliche gehetzt hatte. Sie schielte kurz zu Jennys Frühausgabe hinüber. Ob die kleine, selbstbewusste Dame überhaupt schon eine Ahnung hatte, dass ihr zukünftiger Beruf darin bestehen würde, Menschen zu belügen?
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Lester kam zu ihr herüber. Er schob die Hände in die Hosentaschen und sah Sarah an. "Und was machen wir jetzt?" Ein wenig perplex erwiderte Sarah seinen Blick. "Öh, wir, naja, also, ich denke das sollte Danny sagen. Er ist der Polizist." Sofort hob Danny abwehrend die Hände. "Hey, nur mal langsam, ich bin gerne offen für jede Art von Vorschlägen." Lester hob die Schultern. "Versuchen, nicht verspachtelt zu werden halte ich zumindest für 'ne gute Idee. Bloß, wie stellen wir das an? Das Vieh schien immens hungrig." Als Abby und Sarah die erwartungsvollen Blicke aller auf sich spürten, sahen sie sich unsicher an. Ihnen wurde klar, das sich jeder hier im Raum auf sie verließ - weil sie die Ältesten waren. Es fiel ihnen wie Schuppen von den Augen. Jüngere Menschen machten stets die älteren zu ihren Anführern, das war eine ganz natürliche Reaktion. Bloß waren es Sarah und Abby nicht gewohnt, über das Leben von Menschen zu entscheiden. Normalerweise nahmen sie ihre Befehle von genau den Leuten entgegen, die jetzt angsterfüllt vor ihnen standen: Danny und Lester, vielleicht auch noch Becker oder Jenny, wenn es die Situation erforderte. Abby stieß angespannt die Luft aus. "Gut, okay, ich würde auch sagen wir sichern die Halle mal nach allen Seiten hin ab und suchen uns eventuell... Waffen oder sowas." "Das Absichern können wir vergessen, das Ding kommt auf jeden Fall hier rein. Zum einen sind schon mal die Fenster da oben offen." Lester deutete, während er redete, über Dannys Kopf. Die anderen legten den Kopf in den Nacken. Die Sonne schien schräg von der linken Seite durch das Glas. Er war später Nachmittag, was man vom Licht her erkennen konnte. Sarah und Abby hatten beide keine große Lust, die Nacht in einer alten Fabrik zu verbringen, mit einer Horde schreiender Kinder und einem blutrünstigen Raubtier aus der Zukunft. Sie wandten sich wieder den beiden Männern vor ihnen zu. Ihre jungen Gesichter waren ganz blass vor Anspannung. Sarah seufzte. "Also hört zu, Jungs, sucht nach Eisenstangen, Werkzeugen und Ähnlichem was wir zur Verteidigung verwenden können. In erster Linie müssen wir zusehen, dass wir das Vieh vor den Kindern fernhalten. Ryan, Cutter und Stephen hoben alle drei gleichzeitig die Hände. "Wir sind dabei!" Abby runzelte die Stirn. "Tom und Nick, ihr beide helft Jim und Danny mit der Suche. Stephen, du bist einfach noch zu jung dafür, du passt weiter auf die Kinder auf." Stephen zog ein Gesicht und hockte sich beleidigt auf den Boden, während Ryan und Cutter sich beeilten, um zu Lester und Danny aufzuschließen. Abby drehte sich weg und atmete tief durch. Für sie war es fast unerträglich, mit ihren mittlerweile toten Freunden zu sprechen. Sarah bemerkte ihren Gesichtsausdruck und zog sie zu Stephen und den Kindern hinüber. Die kleine Abby klammerte sich sofort an das Bein der erwachsenen Version. Sie strich ihr über den Kopf und musste dabei schmunzeln. Seltsam, sich selbst durch die Haare zu wuscheln. Sarah starrte ihre eigene Kinderausgabe mit großen Augen an. "Das ist ja sowas von verrückt...", murmelte sie und wandte sich an Becker. "Sag mal, Kleiner, wie heißt du eigentlich?" Abbys Grinsen wurde bei der Frage breiter. Gute Idee von Sarah, den Kinder-Becker nach seinem Namen zu fragen. Der erwachsene Becker machte nur stets ein riesiges Geheimnis daraus. "Hilary.", antwortete er arglos. (Achtung: Der Name ist irisch und wird in diesem Fall Ee-Lah-Ree ausgesprochen) "Soso, alles klar.", kicherte Sarah und zwinkerte Abby zu. "Sagt mal, Mädels, woher kanntet ihr eigentlich meinen und Nicks Namen?", warf Stephen da plötzlich dazwischen. Abby hatte gar nicht bemerkt, dass er ihnen zugehört hatte. "Was? Oh, ach das, joaaaah, die haben wir vorhin im Cafe mitbekommen." Stephen hob eine Augenbraue, sagte aber sonst nichts. Stattdessen ertönte ein schmerzerfüllter Schrei, etwas fiel dumpf zu Boden, Füße jagten davon, dann ein leises Knurren. Die Kinder schrien auf. Stephen zuckte zusammen und fing an zu zittern. Irgendetwas direkt hinter den Frauen jagte ihm einen höllischen Schreck ein. Abby und Sarah sahen sich an. Ein ungutes Gefühl keimte in ihnen auf, eines, das man dann bekam, wenn gleich etwas furchtbares passierte. Langsam drehten sie sich um. Überall war Blut auf dem Boden. Das Zukunftstarntier kauerte über einem reglosen, definitiv menschlichen Körper. Es fauchte sie an. Blut tropfte von seinen Zähnen. Die glühenden, gelben Augen fixierten sie. Die Neuronenklammer an seinem Kopf blinkte. Und gerade, als Sarah sich wunderte, ob die Klammer in einer anderen Zeitspanne überhaupt funktionierte, schoss die Kreatur auf sie zu. 
     
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