FanFiction:Gefangen in der Zukunft   

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Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Information

Mehrere Monate nach den schrecklichen Erlebnissen in der Kanalisation Londons hat sich das Leben von Danny Quinn, James Lester, Connor Temple, Abby Maitland, Sarah Page und Jenny Lewis wieder halbswegs normalisiert. Nach wie vor schlagen sie sich mit Monstern aus der Vergangenheit und Zukunft herum.
Seit einigen Monaten spielt das Wetter auf der ganzen Welt verrückt. Dass dies im Zusammenhang mit einer neuen Anomalie steht, findet das Team erst heraus, als in einem Klärwerk seltsames, rotes Pulver auftaucht. Dass es sich dabei um ein agressives Virus aus der Zukunft handelt, stellen sie fest als sie in eine Massenkarambulage geraten. Ein Fahrer hat sich mit dem roten Pulver infiziert und die Kontrolle über seinen Körper und Verstand verloren. Und nun drängt die Zeit - Das Team muss unbedingt den Ursprung der Anomalie herausfinden, um in der Zukunft nach einem Gegenmittel suchen zu können. Dass sich ihnen dabei wieder dutzende gefährlicher Kreaturen entgegenstellen, macht ihnen die Sache auch nicht gerade leichter...


[Bearbeiten] Kapitel (2)1

Der Regen dauerte nun schon seit 4 Wochen an. Trotz der Jahreszeit war es extrem kalt, sogar für britische Verhältnisse. Die Temperaturen waren gerade mal so weit über Null, dass die Regentropfen nicht gefroren und so im Mai für Schnee sorgten. Es war also an einem eben jener deprimierenden, regnerischen Tage, als Danny Quinn von einem lauten Pfeifton unsanft aus den Träumen gerissen wurde. Er blinzelte heftig, um richtig wach zu werden, versagte aber kläglich dabei, da ihm die Augenlider schneller wieder zufielen als dass er sie aufhalten konnte. So griff er noch im Halbschlaf nach seinem Handy. Umständlich schob er mit seinem Daumen den Display nach oben, so dass darunter die Tastatur zum Vorschein kam. Gleichzeitig führte es dazu, dass der Display zu leuchten begann. Sein Handy teilte ihm mit, dass er eine Nachricht erhalten hatte. Der Titel der Mitteilung lautete nur: "Sofort lesen, wichtig!" Darunter stand der Absender. Danny stöhnte genervt auf, als er las, dass die Nachricht von James Lesters Blackberry aus gesendet worden war. Kurz spielte er mit dem Gedanken, den Display wieder zurück zu switchen, sich die Decke über den Kopf zu ziehen und weiter zu schlafen. Doch dann siegte sein Pflichtbewusstsein über seinen Widerwillen und er öffnete die Nachricht. Wie es für Lester üblich war, hatte er sich knapp und präzise gehalten. "Neuer Anomaliealarm. Treffpunkt in 20 Minuten an der Charing-Cross-Kläranlage." Danny ließ sich resigniert zurück in die Kissen sinken. Er spürte die Müdigkeit tief in allen Knochen sitzen. Mit einer trägen Bewegung drehte er den kopf nach links und warf einen Blick auf die Leuchtziffern seines digitalen Weckers. Es war kurz vor halb Sieben. Normalerweise stand er sogar noch dreißig Minuten früher auf, um sich für seinen Arbeitstag im ARC fertig zu machen. Nur dummerweise war das heute nicht so. Heute war nämlich Sonntag. Am Abend zuvor war er mit Connor, Abby, Jenny und ein paar anderen ARC-Leuten weg gewesen. Zum ersten Mal, seit ihnen gewisse Cocktails vor einiger Zeit so sehr zum Verhängnis geworden waren, hatten sie ordentlich gebechert. Soweit Danny sich erinnern konnte, war er erst vor vier Stunden nach Hause gekommen, ziemlich angetrunken. Er nahm sein Handy also wieder zur Hand und wählte die Nachrichtenfunktion. Dann tippte er eine kurze Antwort für Lester ein. "Na denn. Ich kündige.", lautete sie, und Danny rollte sich hoffnungsvoll unter der Decke zusammen. Schon nach weniger als einer Minute pfiff sein Handy erneut. Seufzend öffnete Danny die SMS. "Sehr witzig, Quinn. Schwing deinen Arsch aus dem Bett und sie zu, dass du dich fertig machst." Danny fluchte und setzte sich auf die Bettkante. Seine Augen drohten sogar ihm im Sitzen zuzufallen. Wieder piepte sein Handy. "Du hast noch 17 Minuten, Quinn." Einmal mehr hatte Danny den Verdacht, dass Lester Kameras in den Wohnungen der Teammitglieder installiert hatte. Es half also nichts. Mühsam stand Danny auf und schlurfte ins Bad. Nach einer Blitzdusche und Turbomorgenwäsche stakste er zurück in sein Schlafzimmer, wo er zuerst frische Unterwäsche, dann eine dicke, blaue Jeans, einen eng anliegenden, schwarzen Rolli, darüber ein olivegrünes Kaputzensweatshirt und schließlich seine Lederjacke anzog. Sein Handy pfiff ein viertes Mal. Diesmal kam die Nachricht jedoch nicht von Lester, sondern von Jenny. "Danny, mein hochgeschätzter Compagnión, würdest du mich mitnehmen? Ich glaub ich darf noch nicht wieder Auto fahren. :)" Er musste grinsen und schrieb eine Zusage zurück. Gleichzeitig fragte er sich, ob er wohl selbst schon wieder ausgenüchtert war...

Als Danny seinen dunkelgrünen Geländewagen auf den Personalparkplatz der Kläranlage lenkte, sah er Lesters schwarzen Lexus und Abbys blauen Minicooper bereits dastehen. Er stoppte, und Jenny schwang ihre langen Beine aus dem Wagen. Sie wartete auf ihn, und gemeinsam begaben sie sich zum offenstehenden Wartungshäuschen, das direkt neben den Filteranlagen stand. Natürlich regnete es, und die dicken Tropfen hatten seine ohnehin noch feuchten (weil ungeföhnten ;) Haare in Sekundenschnelle durchnässt. Sie grüßten den Soldaten, der am Eingang stand, und traten ein. Von ihren Freunden sahen sie zuerst nicht mehr als die Rücken und Hinterköpfe. Als Danny sich räusperte, drehte sich lediglich Sarah kurz um und lächelte ihnen zu. "Du bist zu spät, Danny.", rügte ihn Lester, ohne von dem aufzusehen, was sie alle betrachteten. Danny und Jenny gesellten sich zu ihnen und folgten neugierig ihren Blicken. Sie starrten alle einen durch ein rundum verlaufendes Geländer geschützten, tiefen Schacht hinunter, dessen Boden ein kleiner, hin- und herschwappender Tümpel bildete. "Hier wird das Zeug gesammelt, dass aus dem Wasser gefiltert wird, bevor man es säubert.", erklärte Connor ihnen. "Aaaaaha. Und?", meinte Danny und versuchte, in der Dunkelheit unter ihnen das Schimmern einer Anomalie oder die Bewegungen einer Kreatur auszumachen. "Die Betreiber haben etwas Seltsames rausgefischt, kurz nachdem im ARC der Anomaliedetektor losgedudelt hat.", sprach Lester weiter. Danny sah ihn an. "Und wie seltsam genau?", wollte er wissen. Lester hob zu seiner Überraschung die Schultern. "Dieses... Zeug wurde bisher noch nicht katalogisiert, von daher schätzen wir es kommt aus der Zukunft." Danny seufzte. "Okay, und was für Zeug ist das?" "Rotes Pulver.", sagte Abby und bedeutete ihm, zu ihr herüber zu kommen. Er kam der Aufforderung nach und sah von ihrer Position aus nach unten. Jetzt erkannte er, in dem fahlen Lichtschein, den die Glühbirne an der Decke in den Schacht warf, eine rote Schicht, die auf der Wasseroberfläche schwamm. "Hmmm, lecker!", murmelte er und trat einen Schritt von dem Schacht zurück. "Und was machen wir jetzt?", fragte Jenny zögernd. "Naja, Anomalie ist keine mehr zu sehen, und auch der Anomaliedetektor zeigt nichts mehr an. Wir haben mt etwas anderem als rotem Pulver gerechnet, also müssen wir als erstes ins ARC zurückfahren und die entsprechende Ausrüstung holen.", antwortete Lester, obwohl er damit nicht besonders glücklich schien, und Connor nickte bestätigend. "Ich hab aber schon 'ne kleine Probe genommen, man kann ja nie wissen ob das Zeug nicht gefährlich ist." Danny klopfte ihm grinsend auf die Schulter. "Gut gemacht." Connor streckte ihm die Zunge raus. "Tjaaaah, während du und Jenny noch geschlafen habt, waren wir schon schön fleißig." "Ich hab's ja kapiert! Nächstes Mal bin ich pünktlich, versprochen!", grummelte Danny, was die anderen zum kichern brachte. "Also dann, auf ins ARC. Danny, ob du das mit Absicht getan hast oder nicht, sei jetzt nicht von Interesse, auf jeden Fall hast du uns eingeparkt und musst daher als Erster losfahren.", sagte Lester mit gehobener Augenbraue. "Aber immer doch!", grinste Danny und schlenderte zu seinem Wagen. Dort wandte er sich noch einmal an Lester. "Waren eigentlich keine Angestellten hier, als ihr gekommen seit? Soweit ich weiß muss die Kläranlage doch immer überwacht werden." Lester schüttelte den Kopf. "Nein, die beiden diensthabenden Jungs waren nicht auffindbar." Danny stieg ein. "Seltsam...", murmelte er und startete den Motor. Jenny schlüpfte auf seine Beifahrerseite und schnallte sich an. Er setzte zurück und ordnete sich dann auf der Straße ein. Mit den Augen folgte er den Anderen, wie sie in die Autos stiegen, Connor zu Lester und Sarah zu Abby. Lester fuhr einen großen Bogen rückwärts und schloss zu Danny auf, Abby wendete den Wagen gleich auf dem Parkplatz und bildete das Schlusslicht.

Obwohl es Sonntag Früh war, herrschte auf der Charing Cross - Road schon reger Verkehr. Die Straße war hier in jeweils Fahrspur und Überholspur gegliedert, weshalb Danny die rechte Spur anpeilte und Gas gab. Jenny sog scharf die Luft ein, als Danny den Wagen haarscharf an einem LKW vorbei steuerte und die Reifen dabei ein wenig auf der nassen Fahrbahn durchdrehten. "Oha, ganz schön glatt hier!", scherzte er und warf einen Blick in den Rückspiegel. Lester, der um einiges vorsichtiger fuhr als der Expolizist, bremste ab und fuhr ein wenig langsamer als Danny weiter. Abby passte ihre Geschwindigkeit an den Lexus an und plauderte nebenbei mit Sarah. Auch Connor hatte damit begonnen, Lester zuzulabern, deshalb richtete Danny das Wort ebenfalls an seine Mitfahrerin. "Was das wohl für komisches rotes Zeug ist?", meinte er und blinkte, um abzubiegen. Die Fahrbahn wurde nun wieder einspurig. "Keine Ahnung, aber es scheint nichts gefährliches zu sein.", antwortete Jenny. "James erschien mir trotzdem beunruhigt.", gab Danny zu bedenken. Er sah wieder in den Rückspiegel. Lesters Miene war unleserlich, er wirkte ein wenig angespannt, was aber auch daran liegen konnte, dass er sich auf den Verkehr konzentrieren musste. "Er scheint auch mal wieder mehr zu wissen, als er preis gibt.", fügte Jenny hinzu. Ein Motor heulte auf. Danny sah über die Schulter und entdeckte einen blauen Prius, der gerade ihre Dreierkolonne überholte. Danny sah einen anderen PKW auf der Gegenfahrbahn, und bremste, um den Prius vorbei zu lassen. Der Wagen flutschte gerade noch durch die Lücke zwischen Dannys Geländewagen und dem anderen Auto. Danny fluchte und sah erneut nach hinten, um sich zu vergewissern, dass er Lester gerade nicht ausgebremst hatte. Doch sein Boss fuhr nach wie vor gechillt hinter ihm; Er hatte lediglich den Sicherheitsabstand noch mehr vergrößert. In Gedanken machte er Lester gerade ein Kompliment für seinen vorausschauenden Fahrstil, als plötzlich Jenny aufschrie und die Finger in seinen Oberschenkel krallte. Er wirbelte herum, doch es war zu spät. Vor sich sah er den blauen Prius in einen roten Mercedes donnern, der selbst schon einem anderen Fahrzeug aufgefahren war. Danny trat die Bremse voll durch. Die Reifen blockierten und sein Geländewagen brach nach rechts aus. Er sah einen Lieferwagen auf der Gegenfahrbahn rasend schnell näher kommen, weshalb er panisch das Lenkrad wieder nach links riss, um nicht frontal damit zusammen zu stoßen. Jetzt rammte er dafür sowohl den Prius als auch den Lieferwagen, genau gleichzeitig, mit jeweils einer Seite der vorderen Stoßstange. Die Autos verkeilten sich, und mit einem Ruck kam Dannys Wagen zum stehen. Der Lieferwagen trudelte auf ihre Seite hinüber, rummste in die Vorderseite von Dannys Wagen, was zur Folge hatte, dass er sich um 90 Grad drehte, und kippte dann um, gegen die linke Seite ihres Autos. Danny und Jenny spürten zerberstende Glasscheiben über sich rieseln. Die Beifahrertür wurde eingedrückt und quetschte Jenny an Dannys Schulter. Jemand gab dem Lieferwagen mit dem eigenen Auto einen Stoß, und die beiden Fahrzeuge drehten sich erneut. Danny wusste, dass das gerade eben nicht länger als 4 oder 5 Sekunden gedauert hatte, obwohl es ihm vorgekommen war wie in Zeitlupe. Er sah hastig in den Rückspiegel, in der Hoffnung, Lester hätte den Auffahrunfall rechtzeitig bemerkt.
Hatte er auch, nur rutschten seine Reifen genauso über die regennasse Fahrbahn wie die aller Anderen. Der Lexus schlitterte nach rechts, obwohl Lester sichtlich dagegen hielt. Plötzlich fanden die Reifen Halt auf einem kurzen, trockenen Stück Asphalt, und der Lexus rauschte schwungvoll nach links. Lester ließ das Lenkrad los, Connor fluchte und eine Sekunde später krachten sie von hinten in den umgestürzten Lieferwagen. Danny sah, wie die Beiden in ihren Sitzen nach vorne geschleudert wurden, während er den dumpfen Aufprall spürte. Gleich darauf rummste es erneut, und im Seitenspiegel rollte Abbys dämolierter Minicooper mit abgestorbenem Motor heran. Danny drehte sich im Sitz um, gerade noch rechtzeitig, um den roten Suzuki heranrasen zu sehen. Er prallte in den Lexus, was Lester und Connor wieder zurück in die Sitze fegte, und gleichzeitig den Lieferwagen von Dannys Auto herunter schob. Dann folgten immer wieder abgedämpfte Erschütterungen von hinten, die nach und nach schwächer wurden. Und so schnell wie er angefangen hatte, so schnell war der Spuk auch wieder vorbei.

Connors Ohren klingelten, und sein Schädel dröhnte. Er hing über dem Armaturenbrett, und spürte Glassplitter und Metallstückchen unter seinem Gesicht. "Connor?" Lesters Stimme drang dumpf an ihn heran. Connor kam es vor, als hätte man Watte um seinen Kopf gewickelt. "Connor!" Lester schien selbst ziemlich benommen zu sein, zumindest klang er so, als wäre er gerade erst aufgestanden. "Jaaaah...", nuschelte der Student und richtete sich stöhnend auf. "Schiebst du bitte mal den Fahrersitz nach hinten?" Connor hatte keine Ahnung, wo die Stimme seines Chefs gerade erklungen war, doch er tat ihm den Gefallen. "Alles okay?", wollte Lester wissen, während er unter dem Lenkrad hervor kroch und sich auf seinen Sitz zog. "Geht schon.", meinte Connor und schnallte sich ab. Er und Lester öffneten die Türen und stiegen aus dem ramponierten Auto aus. Ihre Beine gaben nach, sobald sie richtig darauf zu stehen versuchten, doch sie fingen sich am Auto ab. Lester wankte zu Connor herüber. Der Gurt hatte ihm tief in die Brust geschnitten, bevor er gerissen war, und hinter seinem Ohr lief Blut hinab. Er schien es gar nicht zu merken. "Helfen wir den Anderen!", befahl Lester und steuerte auf Abbys Minicooper zu. Connor folgte ihm mit wackeligen Schritten. Sein Gesicht war seltsam taub, doch als er mit den Fingerspitzen darüber fuhr, spürte er kleine Glassplitter in seiner Haut stecken. Abbys Wagen war total zerbeult, und weisser Rauch stieg aus der Kühlerhaube auf. Abbys Tür ließ sich nicht mehr öffnen, weshalb ihr Lester durch das Fenster nach draußen half. Connor öffnete die Beifahrertür und legte einen Arm um Sarahs Taille, so dass er sie leichter heraus ziehen konnte. Die Ägyptologin war wohl mit dem Gesicht gegen die Windschutzscheibe geprallt, denn um ihr rechtes Auge bildete sich eine große, dunkle Schwellung. Er brachte sie auf die andere Seite des Minicoopers, wo Lester und Abby am Boden kauerten. Abby blutete an der Stirn, und Lester tastete gerade ihre Schulter ab. "Die ist ausgekugelt.", teilte er ihr mit und richtete sich wieder auf. Connor setzte Sarah bei Abby ab und folgte ihm. Danny kam ihnen entgegen, als sie auf den zerstörten Liefer- und Geländewagen zuhielten. Sein Gesicht und seine Hände waren zerschnitten. "Wo ist Jenny?", wollte Lester wissen und blieb stehen. Danny wies mit einem Nicken auf den Geländewagen hinter sich. "Eingeklemmt. Hast du ein Brecheisen oder sowas im Auto?" Lester nickte. "In der Tat. Ist sie verletzt?" "Ach was, nur ein wenig, ähm, sauer, weil sie wirklich ziemlich unglücklich... Feststeckt." Lester dachte nur kurz nach. Dann sah er Connor an. "Du kümmerst dich um Jenny. Danny, wir sollten dem Fahrer des Lieferwagens helfen." Danny stimmte ihm zu. Connor joggte zum Lexus zurück. Während er das Brecheisen aus dem Kofferraum hob (ob Lester die herausgesprungenen Kofferraumscharniere schon bemerkt hatte?) beobachtete er die Beiden, wie sie versuchten, mit vereinten Kräften den Lieferwagen zurück auf seine Räder zu schieben. Dann beeilte er sich, um Dannys Auto zu erreichen. Er ging zur Beifahrerseite und schaute hinein, während er anfing zu sprechen. "Jenny? Ich bin hier um - " Er verstummte für eine Sekunde und starrte auf das Bild, dass sich ihm bot. Dann begann er lauthals zu lachen. Jennys Oberkörper war irgendwie in den Fußraum gerutscht, ab der Hüfte saß sie aber noch auf ihrem Sitz. Der linke Arm stand nach oben ab, der rechte hing mit dem Ärmel am Ganghebel fest. "Hör gefälligst auf zu lachen und HOL MICH HIER RAUS!", tobte sie los. "Ist ja schon gut, sorry!", lachte Connor und konnte das Brecheisen fast nicht gerade halten, um die Tür auf zu hebeln, so sehr schüttelte der Lachkrampf ihn. Die Tür war es, die gegen Jennys Körper drückte und sie in dieser Position festhielt. Es knackte, und die Autotür fiel scheppernd zu Boden. Jenny richtete sich auf, Connor half ihr dabei, indem er sie nach hinten zog. "Alles klar?", fragte er sie arglos. Sie warf ihm einen giftigen Blick zu. "Frag nicht so blöd!" Ein Grinsen stahl sich über Connors Gesicht. "Aber ich mach doch überhaupt nichts!" Jenny schnaubte und humpelte zu den anderen beiden Mädels hinüber. Sie hatte sich bestimmt ihre komplette linke Seite geprellt, dachte Connor. Solche Autotüren waren hart. Er hob den Kopf und sah nach, ob er sonst noch irgendwo helfen konnte. Lester und Danny zogen gerade den bewusstlosen Fahrer des Lieferwagens aus der Fahrerkabine. Der Regen ließ auch ein wenig nach. Also ging er auf die andere Seite des Geländeagens und warf einen Blick in den blauen Prius. Der Fahrer lehnte mit der Stirn auf dem Lenkrad und bewegte sich nicht. Connor griff gerade nach ihm, als er leises, bedrohliches Knurren hörte. Es hörte sich nicht an wie ein Tier, deshalb sah er auf. Vor sich sah er, wie die Menschen panisch ihre Autos und die Unfallstelle verließen. Er reckte sich neugierig. Irgendetwas schien sich da vorne auf der Straße zu befinden. Zwei vereinzelte Menschen standen noch da, im Regen, seltsam wankend. Einer von ihnen drehte sein Gesicht zu Connor. Und der Student begann lauthals zu schreien.

Lester zuckte zusammen, als dicht hinter ihnen Connors Schrei erklang. "Was hat er den nun wieder angestellt?", fluchte er und wandte sich um. Connor kam auf sie zugerannt. "Zombies!!! Da sind verdammte Zombies auf der Straße!!!", brüllte er wie von Sinnen. "Ich glaub der ist zu fest auf das Amaturenbrett geknallt.", seufzte Lester kopfschüttelnd. Danny lehnte den Lieferwagenfahrer an einen der Reifen seines Fahrzeugs und griff nach seiner Waffe. Lester sah es und hob eine Augenbraue. "Du glaubst ihm das doch jetzt nicht etwa?" "Irgendetwas hat er gesehen.", gab Danny zu bedenken. Connor erreichte sie völlig außer Atem. "Leute... Habt ihr... Dawn of the Dead gesehen? ... Ist ja auch egal... Wir müssen... Hier sofort weg!", keuchte er. "Klar hab ich den gesehen, der war super!", meinte Danny und grinste bei der Erinnerung an den blutigen Streifen. Jemand kreischte erneut auf. Diesmal kam es von der Richtung des Minicoopers. Wenige Sekunden später bogen Jenny, Sarah und Abby um die Kurve. "Wir sehen tote Menschen!", heulte Jenny total entsetzt. "Jetzt fangt ihr auch noch damit an!", beschwerte Lester sich genervt. Danny stieß ihm in die Rippen. "Au, Quinn! Was ist denn?" Danny wies auf die Richtung, in der die Massenkarambulage begonnen hatte. Lester drehte sich um. Zwei Menschen, oder zumindest schienen es mal welche gewesen zu sein, stolperten auf sie zu. Blut lief aus ihrer Nase, den Augen und dem Mund, überall hatten sie Schnitt- und Schürfwunden. Bei einem von ihnen war der Fuß sichtlich gebrochen, bei dem Anderen ragten die Spitzen seiner Rippen aus seiner Brust. "Also... Das... Das glaub ich jetzt nicht!", stotterte Lester, vor Schreck kurzzeitig von einer für ihn untypischen Starre befallen. "WEG HIER!", befahl Danny, als die Zombies losstürmten. Bewegung kam in ihre Gruppe, und sie rasten Hals über Kopf davon. "Zum Lexus!", kommandierte Danny weiter. "James, du fährst, Connor, Abby, ihr helft mir schießen!" Sie quetschten sich in den Lexus, Danny, Abby und Connor nach hinten, Jenny auf die Beifahrerseite, Lester auf den Fahrersitz. Sarah sprang durch Lesters Tür nach drinnen, rutschte durch und blieb auf ihm und Jenny liegen. Lester startete den Motor. Er sprang problemlos an. Lester setzte zurück, schob den Suzuki zur Seite und wendete. "Schneller, die Teile können verdammt gut rennen!", meinte Danny und feuerte auf ihre Verfolger. Die Menschen, die vor ihnen auf der Straße auftauchten, sprangen hastig zur Seite, als Lester vorbeidüste. Immer wieder crashte er Autos aus dem Weg. "Abby, du triffst ihn nicht richtig!", rügte Connor die Tierpflegerin und schoss auf den Zombie mit dem gebrochenen Fuß. "Schieß du doch mal mit nur einem Arm?!", schnippte Abby zurück und ballerte auf das selbe Wesen. "Was zur Hölle ist das?", rief Jenny über den Lärm. Die Autoschlange lichtete sich, Lester riss das Lenkrad nach links, um in eine Querstraße einzubiegen. "Keine Ahnung, auf jeden Fall gibt es sowas wie Zombies nicht!" Die Besatzung auf der Rückbank wurde nach rechts geschleudert. Eines der Wesen setzte zum Sprung an und landete auf dem Wagendach. Blut lief über die Windschutzscheibe hinab. "Scheibenwischer!", schlug Sarah vor. Lester aktivierte sie nickend. "Gute Idee." Die Scheibenwischer begannen zu arbeiten, und verteilten das Blut von rechts nach links über die Windschutzscheibe. Von einer Sekunde zur anderen sah man nichts mehr ausser roten Schlieren. Lester sah zu Sarah hinab. "Korrektur. Schlechte Idee." "Nimm Wischwasser dazu!", ergänzte sie, verlegen lächelnd. Lester tat wie geheissen, und endlich wurde die Sicht wieder klarer. PATSCH! Ein Zombiegesicht klatschte gegen die Scheibe und grinste sie böse an. "AAAAH!" Sarah, Lester und Jenny schrien erschrocken auf. "Verdammt, wo ist das Teil jetzt hin?", wunderte sich Danny und sah sich um. "Er ist auf dem Auto!", teilte Lester ihm mit und fuhr Schlangenlinien, um das Wesen von der Motorhaube zu werfen. "Und der Andere?", fragte Danny weiter, während alle Insaßen des Wagens hin und her geschleudert wurden. Eine Hand kam auf der Beifahrerseite von oben durch die zerbrochene Fensterscheibe herein. "Sie sind BEIDE auf dem Auto, Danny!", kreischte Jenny und schlug nach der Hand. Lester legte eine Vollbremsung hin, um die Verfolger abzuschütteln. Der Lexus rutschte weg und schlitterte über die Straße, sich wie ein Kreisel drehend. Die Zombies flogen auf die Straße, wo ihre Köpfe auf dem Asphalt zerschellten. Der Lexus donnerte gegen eine Mülltonne und stoppte. "Oh Gott, ist mir jetzt schlecht!", stöhnte Connor. Er und Abby waren beide auf Danny geflogen, der versuchte, sie von sich runter zu schieben. "Mein armes Auto!", jammerte Lester, als einer der Seitenspiegel sich klappernd verabschiedete. Sie befanden sich in einem leeren, dunklen Hinterhof. Danny hatte sich endlich befreit und kletterte aus dem Wagen. "Connor, James, kommt mit. Sehen wir uns an was das für Viecher sind." "Nun, da ich mir nicht sicher bin ob die Dinger auch wirklich tot sind, ziehe ich es vor im Wagen zu bleiben und zu warten.", antwortete Lester. Sarah öffnete seine Tür, Jenny schob ihn nach draußen. "Sei nicht so und steh deinen Mann!", schimpften sie und knalltem ihm die Tür vor der Nase zu. Lester seufzte. "Wieso nur bin ich kein Unternehmensberater geworden? Ich hatte das Angebot schon auf dem Tisch liegen!" "Naja, wer rechnet auch mit sowas? Dinosaurier, Rieseninsekten, Zukunftsmonster, und jetzt Zombies..." Connor tauchte neben ihm und Danny auf. Die drei Männer beugten sich über die reglosen Zombies, die drei Frauen sahen vom Auto aus zu. "Also tot sind die auf alle Fälle.", meinte Danny und griff in die Jackentasche des einen. Er holte den Ausweis hervor. Connor tat es ihm bei dem anderen Mann gleich. "Der hier heißt Daniel Radcliff. Und deiner?" Danny klappte den Geldbeutel auf. "Bill Kaulitz." Lester sog beim Klang der Namen stark die Luft ein. "Was ist los? Kennst du einen von denen etwa?", hakte Danny nach und musterte seinen Chef. "Das nicht,", begann Lester, "aber das sind die beiden Männer, die vorhin Dienst in der Kläranlage gehabt hätten." "Oh.", machte Danny und starrte die Leichen an. "Freunde, hier ist noch jemand den wir kennen.", teilte Connor ihnen mit und zog etwas aus den Haaren von Radcliff. Er öffnete die Hand und zeigte es den anderen. Es war ein feines, rotes Pulver...

[Bearbeiten] Kapitel (2)2

Als sie schließlich im ARC ankamen, herrschte dort bereits Hochbetrieb. Man hatte von dem Vorfall auf der Schnellstraße gehört, und sofort ein Team der Phorensik losgeschickt, um das rote Pulver zu untersuchen. Dabei hatte man festgestellt, dass es sich dabei um einen Virus handelte, der eindeutig aus der Zukunft kam und in etwa so ansteckend wie das Grippevirus und so tödlich wie die Pest war. Burton hatte Lester zu sich ins Büro beordert, und Danny und Connor, die sich vor die Bürotür kauerten, belauschten das Gespräch neugierig. Jenny hatte sofort damit begonnen, mit den Pressestellen zu telefonieren, und die Geschichte mit ihrer Standardausrede getarnt: Es wurde für einen Film gedreht und man hatte vergessen, die Straße ab zu sperren. Deswegen waren die Zombie-Darsteller auf die Charing Cross gelaufen, hatten einen Fahrer erschreckt und so für die Massenkarambulage gesorgt. Danny und Connor konnten nicht alles klar verstehen, was Burton und Lester diskutierten. Dennoch hörten sie einiges von dem was Lester schimpfte: "Ich hab's Ihnen gesagt, Burton! Anomalien treten auch in anderen Ländern auf, und die Vorfälle in Puerto Rico hängen ganz klar mit denen in São Miguel, Dublin und jetzt hier in London zusammen! Cutter hat es damals herausgefunden, soetwas nennt sich Verwerfungslinie! Wir müssen was tun, und zwar bald, sonst öffnet sich die Anomalie in anderen Städten erneut und vergiftet auch dort die Einwohner!" Burton erwiderte soetwas wie: "Darum haben wir uns bereits gekümmert.", dann waren die Stimmen so gedämpft, dass sie gar nichts mehr verstanden. Als Stühle gerückt wurden, sprangen sie hastig auf und joggten zum Sanitätszimmer, bevor Burton oder Lester sie beim Lauschen erwischen konnten. Sie trafen dort auf Sarah und Abby, die gerade liebevoll von der diensthabenden Ärztin in Bandagen eingewickelt wurden. "Was ist los?", wollte Abby wissen, als sie die roten Gesichter der Jungs sah. "Nichts eigentlich, Connor hat mich nur zu 'nem Wettrennen herausgefordert.", keuchte Danny und hielt sich die stechende Seite. Hinter ihnen ging Burton an der offenen Tür des Raumes vorbei, sah kurz in die Runde und nickte grüßend. Sarah hob eine Augenbraue, kaum dass er weg war. "Irgendwann werdet ihr sowas von Ärger für eure Lauschereien bekommen, Jungs..." Connor tat empört. "Also ich hab keine Ahnung, wovon du redest, Sarah." "Mach dich nicht lächerlich, Connor.", schnaubte da Lester hinter ihm. Connor machte schreiend einen Satz zur Seite und ging hinter Danny in Deckung. "Alter! Kannst du das mal lassen? Ich krieg jedes Mal 'nen halben Herzinfarkt wenn du plötzlich hinter mir stehst!", beschwerte der Student sich aufgebracht. Danny und die Frauen begannen zu lachen. Lester legte grinsend den Kopf schief. "Nö, weils mir ehrlich gesagt ziemlich großen Spaß macht." "Und, was gibts?", fragte Abby neugierig und erhob sich von der Liege, auf der sie bis eben gesessen hatte. Sie streckte und beugte ihren Arm, um zu testen, ob die Schulter auch richtig eingerenkt worden war. Es knackte laut, und vor Schmerz schossen ihr Tränen in die Augen. Sie verharrte in der Bewegung und starrte Danny, Connor und Lester mit großen Augen an. "Mädchen, ich sagte Ihnen doch sie sollen den Arm für ein paar Stunden ruhig halten!", tadelte sie die Ärztin und klatschte ihr einen Eisbeutel auf die Schulter. "Tschuldigung", nuschelte Abby und sah sie reumütig an. Auch Sarah stand auf. "Also, weshalb seit ihr alle hier?" "Also wir wollten nach euch sehen.", sagte Danny mit einem Zwinkern. "Und ich wollt euch bitten, in mein Büro zu kommen.", fuhr Lester fort. Er sah sich suchend um. "Wo ist Jenny?" "In ihrem Büro. Warte, ich geh sie holen.", bot Sarah an. Sie machten sich alle daran, das Sanitätszimmer zu verlassen. "Halt! Was soll das werden?", zerschnitt plötzlich die Stimme der Ärztin die Luft. Sie drehten sich fragend zu ihr um. "Ähm, wir arbeiten?", meinte Lester sarkastisch und hob eine Augenbraue. "Sie gehören verarztet! Die beiden Damen dürfen gehen, aber Sie Männer bleiben." Sie hielt eine bedrohlich große Spritze in der Hand. "Ich denk ja nicht dran!", brauste Connor auf und wich zurück. Die Ärztin nahm ein Skalpell in die andere Hand. "Weg hier, Leute!", rief Danny und schob Lester und Connor vor sich aus dem Zimmer. Die Frauen folgten ihnen kichernd. Nachdem sie Jenny abgeholt hatten, begaben sie sich zu Lesters Büro, das direkt an das von Burton angrenzte. Jener wartete schon auf sie. "Setzt euch.", verlangte Lester und baute sich vor ihnen auf. "Also, hört zu, Folgendes..."

Das monotone Brummen der Flugzeugmotoren hatte den Großteil der Passagiere des Fluges 180 sanft in den Schlaf gleiten lassen. Draußen war es stockdunkel, und das würde auch noch für ein paar Stunden so bleiben. Sie flogen schon seit drei Stunden, und hatten immer noch das Doppelte der Zeit vor sich. Es war eben eine weite Strecke von London nach Puerto Rico. Danny schüttelte den Kopf, während er so darüber nachdachte, und stellte die Lehne seines Sitzes nach hinten. Er konnte es noch gar nicht wirklich glauben. Er und das Team waren tatsächlich auf dem Weg in die Karibik, und das nicht um Urlaub zu machen, sondern um sich um eine mögliche Anomalie zu kümmern.

Es war noch nicht mal zwei Tage her, als Lester sie plötzlich alle in sein Büro gerufen hatte. Dort hatte er, wie es für ihn typisch war, bequem in seinem Stuhl gesessen und ihnen sechs Flugtickets präsentiert. Zuerst hatten sie ihm unterstellt, dass er sie verarschte, doch dann hatte er die Tickets auf den Schreibtisch geklatscht und zufrieden grinsend die Hände hinter dem Kopf verschränkt. Connor hatte mit nur wenigen Befehlen in seinen Laptop herausgefunden, dass der Flug wirklich auf ihre Namen gebucht war, und schon hatte sich allgemeine Vorfreude in dem hell erleuchteten Büro ausgebreitet. Ein paar weitere Nachforschungen seitens Connor zeigten, dass in der Karibik bereits warmes Klima herrschte und jeden Tag angenehmes Badewetter war. In der darauf folgenden Besprechung waren sie schon allen ihren Urlaubsplänen nachgehangen, und Lester hatte sie mehrmals zur Ordnung rufen müssen, damit sie wenigstens die Hälfte von dem mitbekamen, was er und Philipp Burton zu sagen hatten. Die beiden kamen mehr schlecht als recht miteinander aus. Burton war gut zehn Jahre älter als Lester, doch er versuchte keinesfalls, Lester herumzukommandieren. Im Gegenteil, obwohl er von der Position eigentlich höher gestellt war als Lester, ließ Burton ihm größenteils frei Hand und mischte sich nur selten in seine Arbeit ein. Lester wiederum akzeptierte es, wenn Burton eine Sache anders angehen wollte, und hielt sich bei ihm ein wenig mit seinem Sarkasmus zurück. Er schien ihm auch zu vertrauen, denn er hatte ohne zu zögern die Leitung des ARCs in Burtons Hände gelegt, solange er sich in der Karibik befinden würde. Dennoch waren kleine Sticheleien unter ihnen an der Tagesordnung.

Was Danny mit den Gedanken wieder in die Gegenwart brachte. Heute Nachmittag, als sie gestartet waren, wären sie fast nicht von der Startbahn weggekommen, da ein tobender Schneesturm die Sicht der Piloten stark verschlechtert hatte. Schon den ganzen Tag über hatte es heftig geschneit, und die Anzeige der Thermometer war nie über die Null Grad hinausgekommen. Sie hatten jetzt also tatsächlich Schnee im Mai. Danny war sich komisch dabei vorgekommen, wie er seinen großen Reisekoffer schleppte, von dem er wusste dass er mit Badesachen, Shorts und T-Shirts gefüllt war, während er dabei zusah wie seine Freunde vor Kälte schnatterten. Jenny, Abby und Sarah waren in dicke Daunenjacken gepackt gewesen, Connor trug eine gefütterte Sportjacke, Lester hatte unter dem etwas wärmeren Winterjacket einen Pollunder über sein Hemd gezogen und Danny selbst steckte in einem langen Wollmantel. So vermummt und verpackt schleppten dann alle ihr Gepäck über das riesige Flughafengelände von Heathrow. Und jetzt saßen sie hier, in dem großen Flugzeug, einer Boeing, die sie nach Amerika bringen sollte.
Rechts von Danny bewegte sich Jenny leicht. Ihr Kopf rutschte von der Lehne und sackte auf Lesters linke Schulter, wo sie selig weiterschlief. Lester, der Danny den Fensterplatz weggeschnappt hatte, hatte zuvor seine Stirn an die Flugzeugwand gelehnt, um aus dem Fenster zu schauen, war aber auch vom Schlaf übermannt worden. Er hing in einer ziemlich unbequem wirkenden Position auf seinem Sitz und zuckte dann und wann mit den Augenlidern. Danny drehte den Kopf nach links. Auf der anderen Seite des Ganges, an dem er saß, erblickte er Sarah, die Kopfhörerstöpsel in den Ohren hatte und gebannt dem Bordfilm folgte. Danny warf einen kurzen Blick auf den Bildschirm über ihm. Schon nach wenigen Sekunden erkannte er das goldbezahnte, kecke Grinsen eines schmuddeligen Piraten mit Kopftuch und Degen. Kaptain Jack Sparrow, gerade dabei sich einen amüsanten Disput mit ein paar Offizieren der Marine zu liefern. Danny schüttelte lächelnd den Kopf. Fluch der Karibik, welcher Film wäre auch passender gewesen, wenn man an ihr Reiseziel dachte. Er spähte an Sarah vorbei zu Abby und Connor, die sich, eng aneinander gekuschelt, eine Decke teilten und so fest schliefen, das Danny alleine vom zusehen her müde wurde. Zwischen den Beiden war in den letzten Monaten eine Menge vorgefallen. Kurz nach Beckers Tod hatte das Team sich um Abbys Bruder kümmern müssen, welcher durch seine Dummheit und Draufgängerei durch eine Anomalie in die Zukunft geraten war und dort festgesteckt hatte. Sie hatten ihn zwar retten können, aber zwischen Abby und Connor war es dabei zu Streit gekommen. Dafür hatten sie sich, als sie zurück in der Gegenwart gewesen waren, auf ganz besondere Art und Weise wieder versöhnt. Danny hatte sie dabei beobachtet, wie sie sich leidenschaftlich geküsst hatten.
Gerade, als sie geglaubt hatten, ein wenig Ruhe vor den Anomalien bekommen zu haben, tauchte die nächste auf, und zwar in der Nähe eines Campingplatzes. Dort hatten sie es gleich mit einer ganzen Herde von Embolotherium zu tun bekommen, und zu allem Überfluss war auch noch Helen in das ARC eingedrungen, hatte das Artefakt gestohlen und Christine Johnsons Tod verschuldet. (Nicht dass jemand über Letzteres besonders entsetzt gewesen wäre.) Danny, Abby und Connor waren ihr durch das Labyrinth der Anomlien gefolgt, doch sie hatte den Studenten und die Tierpflegerin in der Kreidezeit abhängen können. Alleine Danny hatte es geschafft, ihr bis ins Pliozän zu folgen, und konnte dort gerade noch verhindern, dass Helen die ersten Menschen, eine Herde Australopithecus, ausrottete. Ein Raptor, der ihnen durch die Anomalie gefolgt war, stieß Helen einen Abhang hinab und tötete sie, doch Danny, der dabei zugesehen hatte, verpasste deswegen seine Anomalie und saß nun wie Abby und Connor in der Vergangenheit fest - allerdings alleine. Nach zwei Monaten hatten Abby und Connor es schließlich geschafft, die richtige Anomalie zu ihm zu finden, nachdem sie Helens Anomalienerschaffer in der Kreidezeit entdeckt hatten. Dummerweise war dem Ding dann der Akku ausgegangen, aber es hatte nur noch ein paar Tage gedauert, bis Lester und Sarah sie aufgespürt hatten. >br< Und nun waren sie bereits seit einem Vierteljahr wieder zurück und arbeiteten nach wie vor Seite an Seite im ARC. Abby und Connor waren in ihrer gemeinsamen Zeit zu einem Paar geworden, was Lester zwar wusste, aber auch tolerierte - solange es sich in Grenzen hielt. Vor Burton hielten sie die Sache geheim, denn Beziehungen am Arbeitsplatz waren eigentlich verboten. Sarah hatte Beckers Tod mittlerweile verwunden, immerhin war ein halbes Jahr seitdem vergangen. Lester war auch noch ganz der Alte: Sarkastisch, ironisch, einen Hauch arrogant und mit dunklem Humor gesegnet. Allerdings verstand er sich mittlerweile blendend mit den Teammitgliedern. Auch wenn er das niemals freiwillig zugegeben hätte. Und auch Jenny hatte sich nicht sehr verändert. Sie hatte sich sofort wieder ins Team eingefunden, und ihre Angst vor den Kreaturen in der Zwischenzeit verloren. Sie dachte zwar imer noch oft an Nick Cutter, doch sie hatte gelernt, mit ihren Gefühlen umzugehen. Das Team kam langsam, aber stetig wieder auf die Beine. Danny wusste das, und es machte ihn froh und erleichtert zugleich.

Eine rauschende Stimme zerschnitt die Stille. Die Stewardessen kündigten an, in Kürze Kissen und Schlafmasken zu verteilen. Der Lärm hatte Lester geweckt und er fuhr sich gähnend über die Augen, bevor er sich, soweit es der beengte Raum zuließ, streckte. Er sah zu Danny herüber und hielt halb in der Bewegung inne, als er Jennys Kopf auf seiner Schulter erblickte. Danny sah an seiner gehobenen Augenbraue und dem verwirrten Blick, dass er keine Ahnung hatte, wie Jenny da hingekommen war und was sie da eigentlich machte. "Du Cassanova!", neckte Danny seinen Chef und grinste. Lester smilte ebenfalls. "Gut dass meine Frau nicht hier ist, das würd ihr nicht so passen, wie ich meine." Er winkte eine der Stewardessen zu sich heran und verlangte ein KIssen. Das schob er dann vorsichtig unter Jennys Kopf, um sie nicht zu wecken. "Hast du Lust darauf, dir die Zeit mit 'nem Spiel zu vertreiben?", fragte Danny Lester und kramte in seinem Rucksack. Lester verdrehte die Augen. "Wenn du dich nicht wie ein erwachsener Mann alleine beschäftigen kannst, dann ja. Was willst du spielen?" Danny hielt ihm einen Block und einen Stift entgegen. "Stadt, Land, Fluß." Lester schnaubte. "Da verlierst du, ist dir das klar?" Danny schüttelte den Kopf. "Nicht, wenn wir in die freien Felder Name, Film und Band einfügen." Lester gähnte. "Na wenn du meinst..." Sie spielten ungefähr eine Stunde, in der Danny ganze zwei Mal gewann, und das auch nur, weil er seine Antworten schneller hingeschmiert hatte als Lester. Dann war der Bordfilm aus, und Sarah schloss sich ihnen an. Sie wechselten bald zu Schiffe versenken, weil Lesters Siegessträhne sie extrem aufregte, wobei diesmal Danny die Oberhand hatte. Am Ende spielten sie dann noch Wer bin ich, bei dem Sarah die Jungs so fertig machte, dass sie beide völlig entnervt aufgaben. Lester zog sich den Klebezettel von der Stirn und drehte ihn um. "Alice Cooper, toll, Quinn, wie soll ich darauf kommen?", meckerte er und zerknüllte den Zettel. Danny las den Namen, den Sarah sich für ihn ausgedacht hatte: Der Joker. "Oh, wie nett, vielen Dank. Ich bin ein gestörter Massenmörder?" Sarah grinste ganz happy und hielt den Männern ihren Zettel unter die Nase. "Also wirklich, euch muss doch mal was Besseres eingefallen sein? Lord Voldemort, ich bitte dich, James, das ist billig!" Danny warf Lester einen vorwurfsvollen Blick zu. "Genau James, das ist erbärmlich, was fällt dir nur ein?" Er und Sarah fingen an zu lachen. Lester verschränkte die Arme vor der Brust und ließ seinen Kopf resigniert auf die Stuhllehne sinken. "Ich bin von Idioten umgeben!"

Pünktlich zur Landung erwachten Abby, Connor und Jenny. Jenny reckte sich genüßlich und sah aus dem Fenster. "Leute, ich sag's euch, so gut hab ich bisher noch nie in einem Flieger gepennt!" Danny sah, wie Lester hinter ihr eine Grimasse schnitt und seine Schulter massierte, die er wegen Jenny kaum hatte bewegen können. "Sag das besser nicht zu laut, Jennylein.", riet er ihr mit fröhlicher Stimme und sprang auf. Seine langen Beine schmerzten vom Sitzen, und er streckte sich, um das Handgepäck aus der Gepäckablage zu fischen. Jenny drehte sich verwirrt zu Lester um. "Was meint er?" Lester verengte die Augen zu Schlitzen und strich demonstrativ sein zerknittertes Jacket glatt. Jenny erhob sich und kratzte sich am Kopf. "Hab ich im Schlaf geredet oder so?", wandte sie sich an Sarah, die ihr kichernd auf die Schulter klopfte. "Du musstest gar nichts sagen, Jen. Es war auch so offensichtlich, was du wolltest." "Häh?", machte Jenny und sah Connor und Abby hilfesuchend an. Doch die hoben nur die Schultern und bahnten sich ihren Weg an den Sitzen vorbei.

Die Sonne brannte vom Himmel, als sie aus der Boeing stiegen. Sie wandten sich geblendet ab und hielten nach dem Shuttlebus Ausschau, der sie von der Landebahn zum Flughafen brachte. Sie quetschten sich hinein und fuhren mit Schritttempo zu dem eher mickrig wirkenden Gebäude. Lester begann natürlich sogleich, sich zu beschweren. "Was ist das eigentlich für ein Land, in dem man zuerst keinen Platz mehr in der ersten Klassen bekommt und dann auch noch in so einen kümmerlichen, überengten Bus gestopft wird?" Ein paar der Fahrgäste drehten sich zu ihm um. "Was denn? Ist doch wahr!", brauste er auf. >br< Im Flughafen holten sie sich ihr Gepäck und begaben sich dann in die Empfangshalle. "Also, wir müssen jetzt Taxis zum - ", begann Lester, als Danny ihn anrempelte. Lester sah ihn an. "Was?" "Sind da wir gemeint?", wollte der Expolizist wissen und deutete auf einen großen, bedrohlich wirkenden Mann, der ein Schild in der Hand hielt, auf dem mit krakeligen Buchtaben "ARC" stand. "Scheint fast so, nicht wahr?", antwortete Connor, als Lester nichts erwiderte. Sie gingen auf den Mann zu, blieben aber argwöhnisch vor ihm stehen. Der Mann grinste sie an und streckte ihnen die Hand entgegen. "Morgen! Sie müssen James Lester, Danny Quinn, Jenny Lewis, Sarah Page, Connor Temple und Abby Maitland sein?", brummte er mit tiefer, dunkler Stimme. "Und Sie sind?", fragte Lester ihn barsch. Der Mann wirkte überrascht. "Öhm... Miloh. Miloh Limeman. Hat Ihnen Burton denn nicht mitgeteilt, dass ich Sie abholen komme?" Lester ballte die Hände zu Fäusten und knirschte verärgert. "Nein, das schien er wohl irgendwie nicht für nötig gehalten zu haben." Miloh zuckte mit den Schultern. "Wie auch immer. Willkommen in der Karibk, Schatz! Leider fehlen mir die beiden Rumflaschen, sonst wäre das Zitat perfekt, nicht wahr?" Er packte Lesters Hand und schüttelte sie so kräftig, dass Lester gehörig durchrüttelt wurde. Dann stellten sich rundherum alle vor. Connor neigte sich zu Lester hinüber, nachdem er an der Reihe gewesen war. "Weißt du James, er hat gerade 'ne Szene aus Fluch der Karibik zitiert." Lester schielte ihn an. "Stell dir vor, Connor - Ich weiß!" Miloh klatschte in die Hände. "Okay Leute, ab nach draußen, mein Bus steht auf dem Parkplatz."

Jenny nahm hinter dem Beifahrersitz Platz, den natürlich Lester für sich beansprucht hatte. Dank ihres ausgiebigen Nickerchens an Bord ihres Flugzeugs fühlte sie sich putzmunter. Sie starrte zuerst eine Weile aus dem Fenster. Die Palmen, der blaue Himmel und der Strand neben der Straße waren ein krasser Kontrast zu den Verhältnissen in London. Sie hatten zwar in England auch Küsten und das Meer, aber ihr kam es so vor, als würde das Meer hier in der Karibik noch blauer, sauberner, größer und schöner sein. Selbst der würzige Salzgeruch erschien ihr hier angenehmer. Sie musterte anschließend Miloh, der munter auf die Truppe einredete. Das er extrem groß war, war ihr sofort aufgefallen, zwischen eins neunzig und zwei Meter. Außerdem war er sehr muskulös, eher schon bullig als sportlich. Er hatte schwarze, nackenlange Haare, die er mit Wachs durcheinander gewuschelt hatte, so dass sie zugleich stachelig als auch strubbelig abstanden. Er trug einen Henriquatre, einen Bart, der rund um den Mund ging, und hatte große, dunkle, meerblaue Augen. Jenny schätze ihn ein wenig älter als Lester und Danny, also Mitte 40. Da er und die anderen gerade besprachen, weshalb sie hier waren, spitzte sie die Ohren und hörte ihnen zu. "Also, wie es scheint, hat sich die Ausgangsanomalie hier geöffnet. Auch wir katalogisierten rotes Pulver, das einen gefährlichen Virus enthält. Allerdings hatten wir Glück, und der Wind hat den Großteil ins Meer geblasen. Tiere können von dem Pulver nicht infiziert werden, soweit sind unsere Forschungen schon." Miloh hatte einen breiten, amerikanischen Dialekt, der Jenny ziemlich störte, wie sie feststellte. "Wie lange wisst ihr schon von den Anomalien?" "Seit ungefähr einem Jahr. Wir hatten keine Ahnung, das diese Phänomene noch woanders auftreten, deswegen überraschte uns Burtons Kontaktaufnahme vor drei Tagen ziemlich." "Jaaah, die kam auch nur zustande weil ich ihn darauf hingewiesen habe, dass wir es mit einer Verwerfungslinie zu tun haben.", knurrte Lester. "Ja, er sagte, sein Kollege hätte ihn darauf gebracht.", erwiderte Miloh grinsend. Lester wirkte erstaunt. "Im Ernst?" Miloh nickte. "Jap, und er sagte auch, Ihnen und Ihrem Team würde eine Lösung für das Problem einfallen." Lester stöhnte. "War ja klar dass er es wieder auf mich abwälzt..." "Haben Sie denn schon 'ne Idee, wie sie die Sache angehen?" Lester deutete mit dem Daumen über die Schulter nach hinten. "Fragen Sie Connor, der ist unser Anomalienspezialist." Miloh blickte in den Rückspiegel. "Wer, der Kleine mit dem lächerlichen Filzhut?" Connor zog eine Schnute. "Hey, ich bin nicht klein und mein Hut ist nicht lächerlich!" Miloh hob die Schultern. "Wenn du das sagst, Zwerg..." Connor kuckte ihn grimmig an, holte aber einen Apparat aus der Tasche. "Das hier ist ein Anomalienerschaffer. Er öffnet Anomalien, die sich schon einmal geöffnet hatten oder das mal tun werden." "Damit werden wir die Ursprungsanomalie öffnen, durchgehen und in der Zukunft nach einem Gegenmittel für das Virus suchen." Miloh nickte. "Okay. Kann ich euch dabei irgendwie helfen?" "Na klar, zum Beispiel wäre es hilfreich zu wissen, wo die Anomalie sich bei euch genau geöffnet hat.", meinte Connor. Miloh räusperte sich. "Keine Ahnung. Man wollte mich darüber aufklären, aber der Trupp an Wissenschaftlern, der aufgebrochen ist um den Erscheinungsort der Anomalie zu suchen, ist ääähm, nicht mehr zurückgekehrt." "WAS?", rief das Team einstimmig. "Naja, wir wissen dass sie sich irgendwo knapp überhalb des Meeresspiegels geöffnet hat, nur nicht genau, bei welchen Koordinaten." "Oh, klasse, und wann wissen wir das?", schimpfte Danny. "Ich schätze in zwei Tagen.", antwortete Miloh schuldbewusst. "Ja gut dass wir noch kein Rückflugticket gebucht haben.", schnaubte Lester und verschränkte die Arme vor der Brust. Miloh bog auf einen großen Parkplatz ein, der sich vor einer riesigen Hotelanlage befand. "Was sollen wir hier?", wollte Danny wissen und erspähte einen gigantischen Pool. "Ähm... Das ist euer Hotel.", gab Miloh zurück und stellte den Motor ab. "Ihr müsst schließlich irgendwo wohnen, solange wir die Nachdorschungen noch nicht abgeschlossen haben." Connor, Abby, Sarah und Jenny bekamen große Augen. "Wie jetzt, wir bleiben für die nächsten zwei Tage hier?" Danny grinste breit. "Das sagte er gerade, Leute." Lester seufzte und holte sein Handy aus der Hosentasche. "Ich schätze, ich muss meiner Frau sagen, dass ich länger weg bin als gedacht." Jenny spürte die Vorfreude in sich aufkeimen. Vielleicht wurde das hier viel spaßiger und angenehmer, als sie erwartet hatten. Vielleicht hatten sie nach all den vielen, schrecklichen Erlebnissen in der Vergangenheit endlich mal Glück mit einer Anomalie. Vielleicht passierte endlich mal niemandem von ihnen etwas schlimmeres als ein Sonnenbrand. Vielleicht würde es überhaupt keine Schwierigkeiten geben.

Vielleicht würde dieser Einsatz aber auch ein noch furchtbareres Ende finden, als alle zuvor.

[Bearbeiten] Kapitel (2)3

Es war wie im Traum. Weisser, feiner Sand, der ihre Füße umspielte, rauschende Wellen, herrlich warmes, blaues Wasser, strahlender Sonnenschein - und sie mittendrin!!! Connor ertappte sich dabei, wie er schon wieder drohte, wegzunicken. Diese Liegestühle waren aber auch zu bequem! Lester schien ihm dabei zuzustimmen, denn er tat den lieben langen Tag nichts anderes als auf ihnen im Schatten der Sonnenschirme herum zu sandeln, etwas zu lesen und sich hin und wieder einen Drink zu genehmigen. "Hey, James!", rief Connor, "Lust auf 'ne Partie Volleyball? Danny und Abby meinten vorher, dass sie gerne spielen wüden." Lester lies die Zeitung, die er gerade durchschmökerte, sinken, und sah Connor desinteressiert an. "Vorsicht.", meinte er nur träge. "Hä?", machte Connor und runzelte die Stirn. Was hatte der Kommentar denn jetzt mit seiner Frage zu tun? Er sah einen Schatten auf sich zu kommen. Langsam drehte er den Kopf in die Richtung, aus dem er kam. DOTSCH! Ein großer, lederner Ball klatschte ihm auf die Nase. "AUPF!!!", brüllte Connor, während ihn der Aufprall rückwärts von der Liege riss. "Achtung, Ba-hall!", kam Dannys überaus fröhliche Warnung viel zu spät. Connor lag ausgeknockt im Sand, alle Viere von sich gestreckt, mit einem seltsam verzerrten Grinsen im Gesicht. Lester beugte sich über den Liegenrand und sah zu ihm hinunter. "Ich hab dich gewarnt.", teilte er ihm immer noch genauso teilnahmslos mit wie vorher, ehe er sich wieder zurücklehnte und erneut in die Zeitung vertiefte. "Schon klar, du willst nicht mitspielen.", nuschelte Connor immer noch leicht benebelt. "Connor, hast du dir weh getan?", wollte Abby besorgt wissen und machte einen Satz über Lesters Liege, als sie zu ihm stürzte. Sandkörner krümelten von ihren Füßen auf Lesters Zeitung. "Hey!", beschwerte er sich, presste aber sofort die Lippen wieder zusammen, als er Abbys bitterbösen Blick sah. "Das war voll gemein von dir!", schimpfte sie ihren Boss und half Connor dabei, sich aufzurichten. Lester hob eine Augenbraue. "Ich habe keine Ahnung wovon du redest." Sie hielt ihm ihren Finger vor die Nase. "Du hast den Ball genau kommen sehen, und ihn trotzdem nicht gewarnt!" "Du irrst dich, ich hab ihn gewarnt.", erwiderte Lester, der sich ein Grinsen nun doch nicht mehr verkneifen konnte. "Hat er nicht! Zumindest nicht richtig!", verpetzte Connor ihn und ließ sich von Abby tröstend umarmen. Er streckte Lester zufrieden die Zunge raus, weil er wusste, dass sie es gerade nicht sehen konnte. Danny kam angejoggt und stoppte seinen Lauf, indem er kräftig mit den Füßen in den Sand sprang. Weitere Sandkörner gesellten sich zu denen auf Lesters Zeitung. "Ach mensch, Danny, pass doch auf!", brauste Lester auf und schüttelte die Zeitung kräftig. "Sorry!", sagte Danny rasch, ob zu Connor oder Lester, war nicht ganz klar. "Du hast den Ball also geschlagen?", erkundigte sich Connor und stand auf. Danny kratzte sich verlegen am Kopf. "Jaaah, sorry, das geht auf meine Kappe." "Na dann...", meinte Connor und trat neben ihm. Freundschaftlich legte er ihm einen Arm um die Schulter. "Du bist doch nicht sauer, oder?", fragte Danny ihn mit einem Anflug von Vorsicht. Connor smilte breit. "Ach waaaaas..." Ruckartig verengte er den Griff um Dannys Hals. Dieser keuchte überrascht und riss die Auge auf. "Ah! Ich wusste es!", krächzte er. "ICH HÄTTE GETÖTET WERDEN KÖNNEN, VERDAMMT!!!", plärrte ihm der Student ins Gesicht. "Übertreib mal nicht, Connor!", versuchte Danny ihn zu beruhigen. Connor probierte, ihn zu Boden zu rangeln, doch Danny war stark genug um nicht wegzuknicken. Sie trudelten umher, fest ineinander verschlungen, was für Abby und Lester ein in der Tat sehr komisches Bild bot. Lester setzte sich in seiner Liege auf und stupste Abby mit dem Ellbogen an. "Hey, Abby, was wetten wir das Danny ihn in 5 Minuten zur Strecke gebracht hat?" Abby lachte. "Ich gebe ihm drei." Plötzlich plumpsten die beiden frischgebackenen Wrestler neben Lester auf die Liege. Lester wich gerade noch rechtzeitig in Richtung Fußende aus. "Passt doch auf!", zischte er, keine Spur mehr amüsiert. Danny und Connor rollten über die Liege, Danny mittlerweile schon mehr lachend als streitend, Connor immer noch unter höchster Anstrengung. Sie erreichten die Lehne, die unter ihrem Gewicht nach unten klappte. Eine Sekunde später kugelten sie von der Liege hinunter auf den Boden. ZOING! Die Liege schnappte auf und beförderte Lester in hohem Bogen in den Sand. Abby lachte sich scheckig, während Lesters Gesicht immer röter, Dannys immer vergnügter und Connors immer verärgerter wurde. Schließlich ließ der Student von dem Expolizisten ab und sprang auf die Füße. Er griff nach Lesters Drink, einem kleinen Glas mit Whiskey darin, zielte auf Danny und holte damit aus. "Jetzt reichts, hört sofort auf damit!", schimpfte Lester und zog Danny an der Schulter weg aus Connors Reichweite. FLOTSCH! Klebrige, alkoholhaltige Flüssigkeit tropfte von seinem Kinn und lief ihm in die Augen. >br< Nein, auch ein James Lester wusste nicht alles. Natürlich hatte er keine Ahnung gehabt, dass Connor hinter Danny gestanden und im Begriff gewesen war den Inhalt des Glases über ihn zu schütten. Aber das war ja jetzt sowieso zu spät. Abbys Lacher erstarben augenblicklich, Connor versteckte hastig das Glas hinter seinem Rücken, und Dannys Kinnlade klappte nach unten. Lester schloss die Augen atmete einmal tief durch. Dann schritt er zu seiner Liege, stellte sie wieder gerade hin, griff nach seiner Zeitung, fegte mit der Hand den Sand von ihr herunter, ließ sich auf die Liege plumpsen, richtete die Lehne auf, streckte sich dann aus und begann, dort weiterzulesen, wo er unterbrochen worden war.

Miloh Limeman hatte die Hosenbeine seiner Bluejeans bis über die Knie hochgekrempelt und hielt sie in die auslaufenden Wellen. Er hockte im Sand und beobachtete den seltsamen Engländertrupp. Da war unter einem James Lester, der sowas wie der Big Boss der Gruppe zu sein schien. Er war ein stets geschnigelter, mittelgroßer Mann mit hellen, meißt zurückgegelten Haaren und intelligenten, grünen Augen. Absurderweise trug er ständig maßgeschneiderte, teure Anzüge, und sogar am Strand hockte er sich lieber mit kurzärmeligen Hemden und dünnen Leinenhosen auf eine Liege in den Schatten, anstatt mit den anderen durch den Sand zu tollen und schwimmen zu gehen. Er fand ihn extrem sarkastisch und selbstverliebt, und außerdem schien der Mann ein Favel für bunte Krawatten zu haben. Dann war da Danny, der eigentliche Teamführer, ein großer, schlaksiger Mann mit blonden Wuschelhaaren und fröhlichen, blauen Augen. Ihn hatte er sofort ins Herz geschlossen. Er fand ihn sympathisch, unter anderem weil sie den selben Musikgeschmack teilten. Connor, der Technikfreak, wahr wohl so etwas wie ihr Gruppenkindskopf, denn er hatte stets die verrücktesten Ideen und trug ständig diesen lächerlichen Filzhut. Seine dunklen Haare hingen ihm ständig in die großen, dunklen Augen, was wohl gar nicht so schlecht war, den so konnte er ihn wenigstens nicht mit ihnen manipulieren, was ihm sonst bei jedem zu gelingen schien. >br< Neben den Männern gab es natürlich auch noch die drei Frauen, eine hübscher als die andere. Dass sie alle Topfiguren hatten, war nicht abzustreiten, und jede von ihnen verhielt sich freundlich und offen ihm gegenüber. Leider war die kleine Blonde mit der Strubbelmähne, Abby, schon an den Kindskopf vergeben. Von allen gefiel sie Miloh am Betsen, obwohl sie fast zwei Köpfe kleiner war als er. Miloh streckte die langen Beine aus. Es machte ihm Spaß, den Briten dabei zuzusehen, wie sie das schöne Wetter genossen. Für Puerto Rico war es noch verdammt kalt dieses Jahr, und dennoch schienen sie sich zu fühlen wie im Hochsommer. Danny und Connor spielten sich im Meer einen Wasserball zu; Jenny paddelte ein paar Meter aufs offene Meer hinaus, mit Schnorchel und Taucherbrille ausgerüstet; Sarah und Abby kuschelten sich in ihre Handtücher und ließen sich die Sonne auf den Rücken brennen; und James saß im Schneidersitz im Sand blätterte in einem Reisemagazin über die Karibik. >br< Milohs Handy klingelte und riss ihn aus den Beobachtungen. "Boss?", meldete er sich rasch. "Limeman, gut dass ich Sie erwische. Befinden sich unsere hellhäutigen Freunde in ihrer Nähe?" Miloh schnaubte. Er mochte es nicht, dass sich seine Kollegen über die Engländer lustig machten. Immerhin konnten sie ja nichts dafür dass es auf ihrem Inselchen ständig schüttete und deshalb die Sonne von den Wolken ferngehalten wurde. "Das Team aus London, meinen Sie? Ja, die sind alle in Sichtweite.", antwortete er. "Sehr schön! Wir konnten die Lage der Anomalie ziemlich genau festlegen, ein Boot mitsamt Ausrüstung wird Ihnen vorbeigeschickt." "Wie, JETZT? Ähm Sir, ich glaube nicht dass die Sechs im Moment bereit zum aufbrechen sind.", erwiderte Miloh skeptisch. "Ach was, wir haben alles Nötige an Bord gebracht. Sie brauchen nur ihren komischen Anomalie-Auffinder-Apparat.", meinte sein Boss zuversichtlich. "Den Anomaliedetektor?" "Wie auch immer. Sorgen Sie dafür, dass sie den dabei haben. Oh, und das Alte-Anomalien-Wiederaufmach-Dingsda." Miloh seufzte. "Den Anomalienerschaffer, Sir." "Sag ich doch. Also, sammeln Sie die Leute ein, das Boot erreicht Sie in etwa zehn Minuten. Der Kapitän weiß schon, wo er hin muss. Sie müssen nur sicherstellen, dass unsere britischen Freunde auch sicher dort ankommen.", erklärte ihm sein Boss weiter. "Okay. Sagen Sie, Sir, haben wir von unserem Erkundungstrupp schon was Neues gehört?" Miloh hörte, wie sein Boss an der anderen Leitung ausatmete. "Nein, bisher nicht." "Ähm... Ist es dann überhaupt eine gute Idee, die ARC-Leute loszuschicken?", zögerte Miloh. "Ach, sicher, die haben schließlich viel mehr Erfahrung mit diesen verdammten Zeitlöchern als wir. Also dann, Limeman, ich erwarte Ihren Bericht morgen früh auf meinem Schreibtisch." "Klar...", murmelte Miloh, während mit einem KLICK die Verbindung unterbrochen wurde. Er sah auf. >br< Lester erwiderte seinen Blick, eine Augenbraue hochgezogen, die Arme vor der Brust verschränkt. Verdammt, dem Mann entging nichts. Miloh erhob sich und ging zu Lester hinüber. Ihm fiel der Vorfall von heute Vormittag wieder ein, als Danny Connor mit dem Volleyball abgeschossen hatte, sie daraufhin gerangelt hatten und alles irgendwie am Ende darauf hinausgelaufen war, dass Lester seinen Drink ins Gesicht bekommen hatte. Miloh musste grinsen. Na gut, ihm entging FAST nichts.

"Yo, Jimmyboy.", grüßte Miloh Lester, nachdem er das Telefonnat beendet hatte. Abby sah Sarah kurz grinsen, während sie sich zu Miloh umdrehten. "Es gibt Neuigkeiten.", verkündete der Amerikaner dann, als Danny, Connor und Jenny aus dem Wasser gekommen waren. "Aha.", machte Lester, der seinen neuen Spitznamen offensichtlich gar nicht gut leiden konnte. "Wir haben die Anomalie lokalisiert. Ein Boot ist bereits auf dem Weg." "Wie, jetzt gerade?", wollte Lester wissen und legte das Magazin beiseite. "Jop. Bringt euch direkt hin.", sagte Miloh und sah in die Runde. "Ihr seid doch soweit alle aufbruchbereit, oder?" Sein Blick wanderte von dem tropfenden Danny über Connor und Jenny hin zu der durch Sonnecreme glänzenden Sarah und Abby bis schließlich zu dem immer noch absolut unverändert blassem Lester. "Joah... Gib uns zwanzig Minuten.", meinte Danny und griff nach seinem Handtuch. "Ihr habt die Hälfte.", teilte ihm Miloh mit und kratzte sich am Kopf. "Sorry. Ich finds selbst ein wenig überstürzt." "Macht ja nix, wie haben schließlich alles hier.", lächelte Jenny und wuschelte sich mit ihrem Handtuch durch die Haare. "Hast du auch den Detektor und den Erschaffer dabei, Jacko?", wollte Miloh von Connor wissen. Connor sah ihn angesäuert an. "Hör auf mich so zu nennen, und hör auf ständig auf meinem Hut rumzuhacken." Miloh zuckte mit den Schultern. "Siehst halt nunmal so aus wie Michael Jackson damit." "Tu ich nicht!", grummelte Connor und packte nebenbei seine Tasche zusammen. "Die Geräte sind im Wagen.", sagte Abby, und Miloh sprintete zu seinem Bus. Abby begleitete ihn, um ihm zu zeigen wo sie waren. "Hey, Tinkerbell, ich finde deinen Freund echt witzig.", grinste Miloh, während sie zurückgingen. Abby lachte. "Jaaah, aber höt mal, Miloh, diese Spitznamen... Wir sind da keine so dollen Fans davon." Miloh schnaubte amüsiert. "Das ist mir klar, deswegen nenne ich euch ja so!" Abby verdrehte die Augen. "Amis..."

Die Gischt der Wellen spritzte ihr ins Gesicht, während sie an der Reling des Bootes stand und auf das Meer hinausblickte. Links neben ihr stand Jenny, in der selben Position, rechts neben ihr Lester, die Unterarme auf die Reling gelehnt und in Gedanken versunken. Zwei Arme knoteten sich um ihre Taille, und jemand legte von hinten sein Kinn auf ihre Schulter. Sie erkannte Connor sofort, an seinen Bewegungen, seinem Geruch, seiner Berührung. Sie legte ihre Hände auf seine und küsste ihn auf die Wange. "Nächstes großes Abenteuer, was?", murmelte er in ihr Ohr. "Ja,", hauchte sie, "aber auf jeden Fall tausendmal besser als mein Auto auf Londons Straßen kaputtzufahren!" Connor gluckste bei der Erinnerung. "Hey! Das war nicht lustig!", beschwerte sich Abby. "Naja, du bist ja auch nicht bei unserem Jimmyboy mitgefahren!", witzelte Connor und rempelte Lester in die Seite. "Temple, noch ein weiteres Wort dieser Art, und ich stopfe dir deinen blöden Hut in den Rachen.", knurrte Lester und wandte sich drohend in seine Richtung. "Da, siehst du's, Connor, das ist nicht lustig!", schimpfte Abby und drehte sich in seinen Armen zu ihm. Connor lächelte und küsste sie auf die Nasenspitze. "Tut mir Leid." Er küsste sie noch einmal, diesmal auf die Lippen. Lester drehte sich hastig wieder in Richtung Meer. "Ich habe nichts gesehen! Absolut gar nichts!", flötete er und taxierte eine besonders schöne Welle. "Wir sind da!", rief der Kapitän des kleinen Bootes von der Brücke hinunter. Miloh gesellte sich zu ihnen. "So, Jacko, dann zeig mal was deine Apparate so drauf haben." Connor aktivierte den Anomaliedetektor zuerst, dieser schlug aber nicht aus. Dann benutzte er den Anomalienerschaffer. Schon bald erschienen ein paar Koordinaten auf dem Bildschirm. Connor tippte ein paar Befehle ein und wartete. Mechanisches Summen erfüllte die Luft. Dann, zuerst sachte flackernd, dann immer glänzender, erschienen dutzende, kristallartige Scherben aus Licht über dem Wasser, nur ein paar Meter weiter. "Da. Das ist unsere Anomalie.", erklärte er Miloh und deutete überflüssiger Weise darauf. Miloh lehnte sich neugierig über die Reling. "Wow, die führt also in die Zukunft?" Connor nickte. "Ja, genau, fragt sich nur in welche Epoche." Danny packte einen der Rucksäcke und hängte ihn sich über die Schulter. Jenny, Sarah, Abby und Lester folgten seinem Beispiel. "Also, nicht vergessen Leute: Das Virus kann euch nur dann befallen, wenn ihr es einatmet. Geht trotzdem kein so hohes Risiko ein wie Connor und tatscht mit den Händen dran rum, okay?", bat Danny sie. Der Rest nickte artig. "Gut. Also, wir handhaben es wie immer. James, du bekommst das Betäubungsgewehr, der Rest bekommt jeweils eine Betäubungspistole. Ich und James gehen zuerst durch, dann Abby, dann Sarah, und Jenny und Connor als Schlusslichter." Wieder Nicken der Andern. Sie kletterten in ein Beiboot, nachdem auch Connor sich seinen Rucksack gescnappt hatte, und wurden zu Wasser gelassen. Danny fuhr fort mit seinen Erklärungen. "Miloh wird die Seile kontrollieren, an denen wir uns dann gleich festbinden. Wenn ein Seil überdehnt wird, Miloh, musst du es kappen, okay? Auf keinen Fall versuchen uns zurückzuziehen. Wer weiß was uns auf der anderen Seite erwartet, am Ende reisst du uns noch auseinander. Wenn wir aus eigener Kraft nicht zurückkehren können, finden wir 'ne andre Methode. Wenn wir doch am Seil zurückklettern und es sich dabei strafft, wackeln wir damit vorher als Erkennungszeichne dreimal nach oben. Klar soweit?" Wieder nickten alle. Nur Miloh schwieg. "Miloh? Hast du's verstanden?" Statt zu antworten hob Miloh den Arm und deutete hinter sie, aufs Wasser hinaus. "Ähm, Leute, ich will euch ja nicht angstmachen oder so, aber da ist was im Wasser, direkt hinter euch." "WAS?", fiepte Jenny und sah sich panisch um. Tatsächlich, etwas spitzes, sandfarbenes lugte hin und wieder aus den Wellen heraus. "Oh, verfluchte Scheiße, kann es nicht einmal einfach werden? Nur einmal?", fluchte Lester. Er hob das Gewehr ans Auge. Und dann sprang ein riesiger, mit drei Zungen bestückter Hai aus dem Wasser und raste auf ihr plötzlich lächerlich klein wirkendes Boot zu.

Es krachte. Menschen schrien, Bretter flogen durch die Luft, ein Schuss ging los. Miloh stürzte panisch an die Reling. Er sah das ARC-Team, wie sie sich gegenseitig zurück über die Waseroberfläche zogen und hastig nach dem Zukunftshai Ausschau hielten. Miloh griff nach seiner Harpune, die er mit einer dunklen Vorahnung bereits bereitgelegt hatte, und zielte. Der Schuss ging nur knapp daneben, sofort lud er nach. Auf einmal entstand ein kräftiger Sog, der aus der Anomalie zu kommen schien. Die Engländer wurden davon erfasst und auf die Anomalie zugetrieben. Immer wieder tauchte der Hai auf und griff sie an. Miloh konnte die einzelnen Menschen nicht erkennen, aber er sah trotzdem genug. Alle paar Sekunden wurde einer von ihnen unter Wasser gezogen, von den anderen gepackt und den Kiefern des Hais entrissen. Sie versuchten gegen die Strömung anzuschwimmen, klammerten sich an ihre Sicherungsseile und schossen dabei auf den Hai. Das Mistding war einfach nicht zu treffen. Miloh merkte, wie er immer mehr zitterte. Und dann waren sie plötzlich alle verschwunden. Das Boot schlingerte nun ebenfalls bedrohlich und driftete langsam in Richtung Anomalie ab. "Volle Kraft voraus!", plärrte der Käptain, und die Maschinen knirschten. "Wartet!", rief Miloh panisch und starrte angestrengt ins Wasser. Von den Briten war nichts mehr zu sehen. Die Seile an der Reling strafften sich. Miloh kramte sein Messer aus der Hosentasche. "Oh bitte, bitte, macht schon!", flehte er. Doch es half nichts, sie blieben verschwunden. Miloh fluchte. "Ich hätte es ihnen sagen sollen! Der Erkundungstrupp ist vermutlich tot, und ich lasse sie da ohne Warnung einfach reinspazieren! Gott, es ist meine Schuld, ich hätte es ihnen sagen sollen!" Er hielt noch einmal fünf verzweifelte Minuten inne, dann ließ er die Klinge seines Messers auf die Seile herabsausen und kappte eines nach dem anderen.



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